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Nischenkultur Lein

Alte Kultur mit neuem Potenzial

Lein im Frühsommer praktisch unkrautfrei mit Begleitflora. Bild: Thomas Frei
Lein überzeugt mit vielseitiger Nutzung, agronomischen Vorteilen und einem starken Auftritt in der Landschaft. Worauf es beim Öllein-Anbau ankommt.

Früher war Lein in der Schweiz eine weit verbreitete Kultur, die vielseitig verwendet werden konnte. Aus seinen Fasern werden Leinentücher und Schwingerhosen hergestellt. Die Samen liefern wertvolles Leinöl. Mit seinem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren ist es sehr gesund. Der Presskuchen wird den Tieren verfüttert und das Leinenstroh kann als Einstreu genutzt werden. Lein ist mit keiner anderen Kulturpflanze verwandt und durchwurzelt mit seinen Pfahlwurzeln den Boden sehr intensiv. Ende Mai bis Mitte Juni verwandelt sich das Feld jeweils in ein summendes blaues Blütenmeer, daher kommt der Ausdruck «eine Fahrt ins Blaue». Ein toller Imageträger für die heimische Landwirtschaft. 
Seit 15 Jahren bauen wir auf unserem Betrieb wieder Öllein für die Biofarm-Genossenschaft an. Anfangs säten wir im Frühling Sommerlein. Dabei hatten wir häufig mit Sommer-Unkräutern wie Melden zu kämpfen, die das Dreschen behinderten. Nach Sortenversuchen durch Agroscope waren dann winterharte Sorten verfügbar und der Winterlein setzte sich bei uns durch. Die harmlosen Herbst-Unkräuter gehen dann im Frühling im schossenden Lein unter, ausser wenn Ackerfuchsschwanz vorkommt. In diesem Fall ist Sommerlein zu empfehlen. Ende September säe ich mit der Drillsämaschine 50kg/ha ca. 2–3 cm tief in ein feinkrümeliges, gut abgesetztes Saatbett. Ein Durchgang mit dem Striegel vor der Saat als Unkrautkur ist von Vorteil, denn die feinen Leinpflanzen ertragen das Striegeln schlecht. Darum schliesse ich bei der Sämaschine jede 2. Schar, was einen Reihenabstand von 25 cm ergibt. So kann ich mit dem Gänsefussscharhackgerät früh im Frühling gegen das Unkraut vorgehen. Auf eine Düngung kann gut verzichtet werden. Bei später N-Nachlieferung im Sommer reagiert der Lein mit Nachblühen und die Stängel bleiben grün, was dem Schneidwerk beim Dreschen Mühe bereitet. Direktdrusch geht am besten, wenn es im August so richtig heiss und trocken wird und die Stängel braun und spröd werden. Wenn in nassen Jahren der Lein grün bleibt oder viel Unkraut, insbesondere Gras, vorhanden ist, lohnt sich Schwaddrusch. Dies mussten wir erst zwei Mal machen. Mit dem Motormäher mähte ich den Lein an Schwaden und liess ihn 2–3 Tage trocknen. Das zweite Mal organisierte ich dann ein Busatis-Frontmähwerk, was viel leichter ging. Wichtig dabei ist, nicht zu tief zu mähen. Auf 15 cm hohen Stoppeln trocknet der Lein schneller und kann mit dem Mähdrescher besser aufgenommen werden. Das Erntegut sollte nach dem Dreschen rasch nachgetrocknet werden, da es sich sonst erwärmt und zu stinken beginnt. Unsere Erträge liegen meist zwischen 14 und 20 dt bei einem Preis von 300.–/dt. Erst einmal hatten wir wegen zu viel Mohn einen Totalausfall, dafür viele Fotoshootings in unserem Feld. 

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