Nachhaltigkeit ist seit vielen Jahren ein Dauerthema. Alles muss heute nachhaltig sein, aber was das wirklich bedeutet, kann niemand so ganz genau sagen. Oft werden einzelne Aspekte herausgepickt und als Inbegriff der Nachhaltigkeit verkauft. Der Klimaschutz ist ein gutes Beispiel dafür. Aber Nachhaltigkeit ist komplexer, viel komplexer. Sie beinhaltet die Bereiche Ökonomie, Soziales und Ökologie.
In der Landwirtschaft ist dieses Rosinenpicken besonders schlimm: Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft wird einseitig mit dem Thema Ökologie gleichgesetzt, der Rest geht dann gerne mal «vergessen». Aber was bringt es einem Betrieb, wenn er ökologisch top ist, aber der Besitzer dafür nicht von seinem Einkommen leben kann oder unter der Arbeitslast zusammenbricht? Wenn dies von NGOs oder Umweltverbänden so gesehen wird, ist das nicht überraschend. Wenn der Kanton aber so denkt, wird es problematisch. So wurde letztes Jahr das Leitbild nachhaltige Landwirtschaftspolitik veröffentlicht: darin kein einziges Wort über die ökonomische und soziale Nachhaltigkeit. Der Fokus des Papiers lag rein auf der ökologischen Nachhaltigkeit: Biodiversität, Klimaschutz, Luftqualität usw. Wenn der Kanton aber eine Leitlinie für die Nachhaltigkeit herausgibt, müssen Ökonomie und Soziales auch enthalten sein. Er gibt schliesslich die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft vor. Wenn er diese Aspekte nicht in seine Planung mit einbezieht, ist dies zum Nachteil der Bauernfamilien. Unsere Gesellschaft diskutiert ständig über ein gerechtes Einkommen und eine gesunde Work-Life-Balance. Wenn dies für den Schutz der Arbeitnehmer gilt, warum sollen für die Bauernfamilien dann andere Massstäbe angewandt werden?