Züri für Blatten
Mit Tirggel, Flyern und einer guten Portion Enthusiasmus bewaffnet, postierten wir uns vor einer ländlich gelegenen Landi-Filiale mit mässiger Besucher-Frequenz. Im Dienste der Solidarität bemühten wir uns, die besagten Tirggel im Tausch gegen einen Fünfliber an den Mann, an die Frau oder – gemäss Erfahrung, die unser Chef machte, – an die non-binäre Person zu bringen, was uns ungeahnte Einblicke in die menschliche Spezies offenbarte. Immun gegen unseren Enthusiasmus marschierte ein Grossteil des Publikums ungerührt an uns vorbei, wobei die unterschiedlichsten Strategien zur Anwendung kamen: Spezies eins steuert mit starrem Blick in Kleinkindmanier an uns vorbei: «Wenn ich dich nicht sehe, siehst du mich auch nicht.» Spezies zwei ist augenscheinlich derart von ihrem Knopf im Ohr absorbiert, dass der unsägliche Bergsturz unbemerkt vor ihr niedergehen könnte. Spezies drei wiederum schlängelt sich Haken schlagend, Blickkontakt vermeidend an unserem Stand vorbei. Spezies vier schleudert uns ihr verbales Schutzschild «Habe schon gespendet!» entgegen, bevor wir unsererseits unser Argumentarium auf sie abfeuern können. Und Spezies fünf verkörpert den empathischen, ländlich-bäuerlich verankerten Menschen, der uns seine Aufmerksamkeit schenkt, Betroffenheit zeigt und angeregt mit uns diskutiert. Diesem Personenkreis verdanken wir, dass neben den Fünflibern auch das eine oder andere grüne Nötli in unser Kässeli wanderte. An dieser Stelle ein ausdrückliches Dankeschön an alle grosszügigen Spender und an meine Mitstreiter im Solidaritätskreuzzug!