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Kommentar der Woche

Wo sich das Rindvieh aufhält, hat es Insekten.

Thomas Frauenfelder mit dem Kommentar der Woche. Bild: zVg
Thomas Frauenfelder, Maur

Wenn ich die Kühe am Morgen zum Melken von der Weide hole, stehen sie meist schon in der Nähe des Ausgangs eng beieinander und beschwanzen sich gegenseitig, um die Fliegenschwärme zu vertreiben.

Vor einigen Tagen hatte ich ein Gespräch mit einem Naturschützer, welcher sich um das Aussterben der Insekten sorgt. Diese Sorge kann ich jedoch nicht mit ihm teilen, da ich beim Ausüben meines Tagesgeschäfts eine andere Feststellung mache. 

Vergangenen Herbst hatten wir mehrere frisch gekalbte Kühe, welche fast keine Milch gaben, und auch einige Kälber, welche zu leicht auf die Welt kamen. Schuld daran war vermutlich die Blauzungenkrankheit, welche durch Gnitzen (kleine Mücken) übertragen wird. 

In der Tagesschau vom vergangenen Sonntag wurde ein Beitrag zu einer neu ausgebrochenen Seuche in Frankreich ausgestrahlt. In der nahe Genf liegenden Gegend mussten 30 Betriebe ihre Tiere notschlachten. Dieser Ausbruch hat zur Folge, dass nun in einem Umkreis von 50 km sämtliche Tiere  geimpft werden müssen. Die Lumpy-Skin-Disease(LSD)-Krankheit, oder in der Umgangssprache Beulenpest genannt, ist hochansteckend und wird ebenfalls durch Mücken und Stechfliegen übertragen. Je nach weiterer Ausbreitung der Seuche muss die Impfpflicht auf weitere Teile der Schweiz ausgeweitet werden.

Einige Insektenarten nehmen ab, dafür kommen durch den Tourismus und Importprodukte unerwünschte Insekten, die bei uns keine natürlichen Feinde haben, wie Kirschessigfliege, Buchsbaumzünsler, Japankäfer, asiatische Hornisse etc.

Gemäss einer SRF-Doku vermehren sich die wärmeliebenden Insekten stark, während kälteliebende abnehmen. Gesamthaft nimmt die Vielfalt der Insekten ab, die Masse zu. 

Laut ETH-Biologe Marcel Züger werden sich die Lebensräume landesweit immer ähnlicher. «Satte 20% des Kulturlandes werden als Biodiversitätsförderfläche gepflegt. Wenn das nicht reicht, dann ist am System grundlegend etwas faul. Abhilfe bringen sollen noch mehr Dirigismus, noch detailliertere Vorgaben, noch aberwitzigere Konzepte. Mehr vom Falschen machts nur schlimmer. Wo die Bauern wirken, funktioniert’s. Wo Umweltorganisationen und Ämter das Sagen haben geht’s in die Hose. Vonnöten ist vielmehr Handlungsfreiheit, Eigenverantwortung und Vertrauen. Dann geht’s der Natur besser. Und auch den Bauern.» Helfen die vielen theorielastigen Anweisungen unseren Insekten?

Die Natur ist im Wandel, einige Insekten verschwinden, andere kommen neu dazu.

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