Ich durfte in den letzten Wochen eine fünfwöchige Auszeit in Grossbritannien verbringen. Wir genossen Fish & Chips in altehrwürdigen Pubs, stapften bei Nieselregen durch mannshohe Farne, schwitzten an überraschend schwülen Strandtagen und erkundeten sagenumwobene Schlossruinen.
Natürlich bekamen wir auch einen Eindruck von der Landwirtschaft im Inselstaat. Wir sahen raupenbesetzte Mähdrescher bei der Ernte endloser Rapsfelder in Nordengland, stiessen auf Schafherden, die seelenruhig die engen Hauptstrassen Schottlands blockierten und beobachteten grasende Kuhherden im Süden. All das vermittelte den Eindruck eines Landes, das sich gut selbst versorgen kann.
Ein kurzer Faktencheck bei Google zeigte jedoch das Gegenteil: Mit rund 60 Prozent liegt der Selbstversorgungsgrad Grossbritanniens vergleichsweise tief. Zwar sind Fleisch, Milchprodukte und Getreide stark vertreten, doch beim Obst sinkt der Anteil auf gerade einmal 16 Prozent. Ein Blick in die Regale bestätigte dieses Bild: Trauben aus Brasilien, Äpfel aus Chile, Pfirsiche aus Marokko, Erdbeeren aus Ägypten. Europa als Obstlieferant fehlte weitgehend – eine spürbare Folge des Brexits vor fünf Jahren.
So blieb von unseren Eindrücken etwas Ambivalentes zurück: Ein Land, das seine Schafe, Kühe und Felder liebevoll hegt, aber beim Obst abhängig von der Welt ist. Vielleicht zeigt sich hier die wahre Verwundbarkeit einer Inselnation: Die Landschaft mag sattgrün sein, doch die Versorgung hängt an fernen Lieferketten.