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Kommentar der Woche

Der Stadt-Land-Graben ist nichts für schwache Nerven

Marc Peter mit dem Kommentar der Woche. Bild: zVg
Marc Peter, Wiesendangen

Die Schweiz ist das Land der Berge. Dazwischen tiefe Täler und einige noch tiefere Gräben. Klassisch der Röstigraben, welcher sich meist nach ein paar Gläsern Chasselas deutlich verkleinert. Mit dem Stadt-Land-Graben ist die Sache deutlich komplizierter. Gemäss dem Stadt-Land-Monitor der fenaco wird dieser immer tiefer und breiter. Man hört das Gegenüber nicht mehr, weil sich die Standpunkte und Lebensrealitäten immer weiter voneinander entfernen. 

Auf dem Land betrachten wir das Rundum-sorglos-Paket des städtischen Lebens mit Misstrauen, während die Städter die tägliche Arbeit der Bauernfamilien bei ihrer Erholungssuche auf dem Land gelinde gesagt als störend empfinden. Selfie mit Strohballen, Selfie mit Kuh, mit Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, einfach so, Hauptsache der Freigang auf dem Land wird dokumentiert. Da stört der Bauer mit seiner Arbeit und dem manchmal deutlichen Kommentar zum Verhalten des Erholungssuchenden. Ja, Kartoffeln werden grün, wenn man auf den Dämmen herumrennt, weil der Hund nicht zurückkommt, und das romantische Picknick in der Blumenwiese sorgt nicht für mehr Biodiversität, sondern führt beim Eigentümer zu Bluthochdruck. 

Mit Wasser füllen und Krokodile aussetzen. Ein Gedanke zum Stadt-Land-Graben, welcher mir immer wieder in den Sinn kommt, wenn die Nerven wieder einmal arg strapaziert werden. 

Trotz etlichem Ärger wird die Suppe aber nicht so heiss gegessen, wie sie (auch medial) gekocht wird. Zwar wird vermutlich nie ein Erholungssuchender jubeln, wenn ich mit Spritze, Düngerstreuer oder Mistzetter auffahre. Etwas Geduld, ein Lächeln oder eine Handgeste helfen aber meist schon viel. Wenn es mit den Nerven einmal nicht so klappt, folgt auf ein gepflegtes verbales Zusammenstauchen meist ein klärendes, deutlich entspannteres Gespräch. 

Mit zahlreichen Aktivitäten versucht der Züricher Bauernverband Verständnis bei der Bevölkerung zu schaffen. Farmfluencer, vo Puur zu Puur und die Familie Richter sind erfolgreiche Projekte, welche eine Brücke über den Graben schlagen. Öffentlichkeitsarbeit bewirkt viel und entlastet uns Bauernfamilien bei unserer täglichen Arbeit. Dafür bin ich sehr dankbar.

Das eine oder andere altersschwache Krokodil, ein zahnloser Wolf oder ein anderes harmloses Schreckgespenst auf Feld und Flur wäre vielleicht aber gar nicht schlecht und würde aktiv Respekt einflössen bei näher betrachtet harmloser Gefahr. 

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