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Wie ein Fehler im neuen Globi-Band Wellen schlägt

Globi, Soja und die Wahrheit

Globi und Fake News

Mit meinem Artikel habe ich einen Stein ins Rollen gebracht – und zwar einen ziemlich grossen.

Nathanael Helfenstein

Im neuen Globi-Band, der derzeit im Blick und 20 Minuten heiss diskutiert wird, findet sich eine gravierende Falschaussage.
Nachdem ich den Verlag und den Autor Atlant Bieri persönlich auf diesen Fehler hingewiesen und zu einem direkten Austausch eingeladen hatte, entwickelten sich zwei sehr unterschiedliche Reaktionen: Während sich der Verlag intern beriet, die Fakten prüfte und sich letzte Woche mit einer Entschuldigung bei uns meldete, entschied sich der Autor schlicht, gar nicht zu reagieren.
Funkstille – zumindest so lange, bis die Sache öffentlich wurde.

Am Freitag, 28. November, erschien mein Artikel im Zürcher Bauer. Seither schlägt das Thema hohe Wellen. Kaum war die Kritik nicht mehr nur in einer Mailbox, sondern für alle sichtbar, schaltete sich Atlant Bieri schliesslich in Online-Diskussionen ein.


Der Verlag hingegen blieb seiner professionellen Linie treu: Er verteilt ein Korrigendum zu den bereits gedruckten Exemplaren und überarbeitet die entsprechenden Passagen für die Neuauflage des Globi-Bandes "Globi und der Wald". So sieht verantwortungsvolles Handeln aus, wenn ein Kinderbuch nachweislich falsche Zahlen verbreitet.

Der Globi Verlag entschuldigt sich bei den Bäuerinnen und Bauern

Liebe Bäuerinnen, liebe Bauern, liebe Betroffene

Es sind uns im GlobiWissen-Buch «Globi und der Wald» (128 Seiten) auf der Seite 64 Fehler passiert! Das ärgert uns gewaltig! Zum einen haben wir eine falsche Zahl angegeben und zum anderen undifferenzierte Ausführungen dazu.
Es ist absolut nicht unsere Absicht Falsches zu verbreiten und ganz sicher nicht, damit einen ganzen Berufsstand zu verunglimpfen. Schon gar nicht wollen wir manipulieren oder tendenziös berichten. Wir wollen in diesen Sachbüchern seriöse Fakten und keine Meinungen vermitteln.
Dass diese Fehler auf dieser Seite von niemandem im gesamten Produktionszyklus erkannt wurden, ist sehr ungewöhnlich und schwer zu akzeptieren.
Es tut uns sehr, sehr leid, dass das passiert ist. Wir können uns nur in vollem Umfang bei allen Betroffenen entschuldigen.
Wir erstellen ein Korrigendum, welches wir auf unserer Website zum Buch platzieren und natürlich überarbeiten wir diese Seite für den Nachdruck, der bereits in Auftrag gegeben ist.
Wir hoffen sehr, Sie können unsere ehrliche Entschuldigung annehmen und vielleicht auch verstehen, dass in einem so umfangreichen Buch, Fehler passieren können.

Der Globi Verlag

Und der Autor?

Atlant Bieri räumt öffentlich ein, dass die im Buch genannte Zahl von 80% zwar falsch sei, beharrt aber im gleichen Moment auf seiner beabsichtigten Gesamtaussage. Bis heute bleibt die persönliche Anfrage zum Gespräch unbeantwortet.

Die Haltung des Autors muss genauer betrachtet werden

Zur Konkretisierung führte ich ein Interview mit Ferdi Hodel, Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbands.

Ferdi, was ist in der seit der Veröffentlichung des ersten Artikels passiert?

Ich stehe mit der Verlagsleiterin im persönlichen Kontakt.
Für die Falschinformationen hat sie die Bäuerinnen und Bauern um Entschuldigung gebeten. Diese Entschuldigung ist angenommen. Die Verlagsleiterin hat sich im Ganzen Prozess sehr professionell verhalten. Sie planen die bereits gedruckten Exemplare aus dem Verkauf zu ziehen und durch eine korrigierte Auflage zu ersetzen. Schlussendlich geht es auch darum das Image der Marke Globi zu schützen. Für uns hat sich das Anliegen zur Richtigstellung der Angaben im Buch erledigt.

Atlant Bieri räumt inzwischen zwar ein, dass die im Buch genannte Zahl von 80 % falsch sei – er habe eigentlich 10–15 % schreiben wollen. Doch statt den Fehler transparent einzugestehen, beharrt er darauf, die «Gesamtaussage» sei trotzdem korrekt und werde durch die falsche Zahl sogar noch deutlicher. Mit anderen Worten: Die Fakten stimmen nicht, aber die Botschaft solle dennoch gelten. Für ein Sachbuch, das Kindern die Welt erklärt, ist diese Haltung mehr als irritierend. Wir sind nicht nur über den Fehler verärgert, sondern vor allem über die Beiläufigkeit, mit der hier mit Wahrheit und Verantwortung umgegangen wird – gerade in einem Globi-Band, der in vielen Familien als verlässliche Wissensquelle gilt.

Hattest du in der Zwischenzeit einen Austausch mit dem Autor?

Jein. Auf unsere Anfrage hat er bis heute nicht reagiert.
Erst als die Diskussion öffentlich geworden ist, hat sich Atlant Bieri erstmals über die sozialen Medien eingeschaltet. Da hatten wir dann erstmalig eine direkte Auseinandersetzung.

Du hast die Diskussionen in den sozialen Medien nicht nur verfolgt, sondern direkt mit dem Autor debattiert. Wie kam es dazu?

In einem öffentlichen Kommentar habe ich Herrn Bieri nochmals auf den Fehler aufmerksam gemacht – nachdem wir ihn bereits offiziell kontaktiert hatten. 

Ferdinand Hodel: «Guten Morgen Herr Bieri – der Zürcher Bauernverband hat Sie offiziell letzte Woche angeschrieben und auf den Fehler aufmerksam gemacht. Ihre Antwort zeigt nun leider deutlich: Es war kein Versehen, sondern eine bewusste Manipulation und Instrumentalisierung. Es ging offenbar darum, die Figur Globi gegen die Arbeit der Schweizer Bauernfamilien auszuspielen. Ihre Antwort ist komplett ideologisch und nicht fachlich begründet. Wir werden heute eine offizielle Kampagne gegen diese Aussagen im Buch und Ihre Antwort starten – die Öffentlichkeit hat ein Recht zu wissen, was hier im Hintergrund abläuft.»

Wie hat Atlant Bieri auf diese Kritik geantwortet?

Seine Antwort hat vieles bestätigt, was uns schon vorher irritiert hat. 

Atlant Bieri: «Es handelt sich bei den 80 Prozent tatsächlich um eine falsche Zahl, die wir leider übersehen haben. […] Dass ein grosser Teil des Sojas in Brasilien auf ehemaligen Regenwaldflächen produziert wird, ist eine Tatsache. […] Die Schweiz versucht sich immer mit irgendwelchen Tricks herauszureden. […] Auch die Argumentation, Sojaschrot sei ein Abfallprodukt und wir seien damit fein raus, funktioniert im Sinne der Nachhaltigkeit nicht.»

Wie ordnest Du seine Reaktion ein?

Sie zeigt sehr deutlich, dass seine persönliche politische Haltung bewusst und aktiv in ein neutrales Kinderbuch eingeflossen ist. Das ist hochproblematisch. Statt eine sachliche Korrektur vorzunehmen, widerspricht er sogar dem eigenen Verlag – der im Gegensatz zu ihm sehr professionell reagiert hat. Die Art und Weise, wie er argumentiert, wirkt trotzig und ideologisch aufgeladen. Für jemanden, der ein Sachbuch für Kinder schreibt, ist das mehr als bedenklich.

Wie beurteilst Du die Glaubwürdigkeit des Autors?

Offen gesagt: kritisch. Wenn ein Autor bereits zugibt, dass er seine persönliche Haltung absichtlich in Kinderbücher einfliessen lässt, dann stellt das seine Objektivität infrage. Und was mich zusätzlich beunruhigt: dieselbe Person schreibt Medienmitteilungen und Berichte für die Baudirektion, die Forschungsanstalt Agroscope und andere öffentliche Stellen. Wenn ich eine dieser Institutionen wäre, würde ich die Zusammenarbeit vor diesem Hintergrund ernsthaft hinterfragen.

Wie geht es nun weiter?

Wir als Zürcher Bauernverband werden die zuständigen Stellen anschreiben und auf diese Umstände hinweisen. Wir sind auf verlässliche Partner angewiesen, die sachlich kommunizieren und sorgfältig arbeiten. Diese Art von unprofessionellem Vorgehen können und wollen wir nicht einfach stehen lassen.

Neues Globi-Buch enthält Fake News
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Nathanael Helfenstein, ZBV
28. 11. 2025
Das beliebte Globi-Kinderbuch wird für falsche Zwecke instrumentalisiert Viele von uns sind mit Globi aufgewachsen und verbinden mit seinen Geschicht
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