Wenn sich Falsches als Wahrheit festsetzt - Der Illusory-Truth-Effekt
Je öfter wir eine Behauptung hören, desto wahrer erscheint sie uns. Dieser psychologische Mechanismus heisst Illusory-Truth-Effekt und er wirkt stärker, als den Meisten bewusst ist. Aussagen müssen nicht korrekt sein, sie müssen nur oft genug wiederholt werden.
Immer wieder werden Falschinformationen über die Landwirtschaft verbreitet, so auch kürzlich im neuen Globi-Buch oder in wissenschaftlichen Hypothesen, die ohne Belege gross herausgestellt werden: «Wer auf dem Land lebt, hat schlechteres Sperma. Schuld könnte die Landwirtschaft sein.» Ein Satz, der hängen bleibt, auch wenn er so nicht nachgewiesen ist. Reagiert man darauf, heisst es schnell: «Stell dich nicht so an» oder «Ist ja nur eine Hypothese». Trotzdem bleiben diese Informationen in den Köpfen hängen. Auch in Schulbüchern wird der Konsum von tierischen Produkten oft pauschal als schädlich dargestellt, während Landwirte als Umweltverschmutzer erscheinen. Es sind kleine, vermeintlich unbedeutende Verzerrungen. Doch in der Summe formen sie ein Narrativ, das zur «Wahrheit» wird.
So entstehen falsche Denkmuster, die selbst in Wissenschaft und Politik unkritisch übernommen werden. Wer diese hinterfragt, gilt schnell als unbequem. Dabei ist genau dieses Hinterfragen entscheidend. Denn wenn wir Falsches unwidersprochen lassen, wird es zur Grundlage von Entscheidungen, Gesetzen und gesellschaftlichem Druck.
Der Fall Globi zeigt jedoch, dass Gegenwehr etwas bewirken kann. Ein Landwirt meldete den Fehler dem ZBV, Leserbriefe und zahlreiche Posts erreichten Hunderttausende. Der Verlag reagierte transparent und entschuldigte sich, ein erfreulicher Ausnahmefall. Weniger erfreulich war die Reaktion des Autors Atlant Bieri, der den Fehler herunterspielte und behauptete, die Darstellung sei sinngemäss korrekt. Genau dieses Kleinreden trägt dazu bei, dass Falsches im öffentlichen Bewusstsein bleibt.
Es mag manchmal kleinlich wirken, sich gegen jede einzelne Falschbehauptung zu wehren. Doch genau darin liegt unsere Verantwortung. Nicht aus Trotz – sondern aus Pflicht gegenüber der Wahrheit, der Wissenschaft und den kommenden Generationen von Landwirten.