Sieben Betriebe folgten dem Aufruf des Vereins Hot Spots, Ackerflächen, auf denen eine besonders grosse Wildpflanzenvielfalt die Hauptkultur begleitet, zu melden. Im Sommer besuchten Fachleute die insgesamt 13 gemeldeten Flächen und dokumentierten, welche Arten anzutreffen sind. Dabei wurden der Ackerrand und eine Diagonale quer durch den Acker genau angeschaut. Wächst eine Art im Ackerinnern, gab dies mehr Punkte, als wenn sie nur am Rand vorkommt, und auch die Häufigkeit spielte eine Rolle. Konkurrenzschwache Arten wiederum wurden stärker gewichtet als konkurrenzstarke. Mit besonders vielen Punkten wurde das Vorkommen der 17 definierten Zielarten belohnt. Acker-Veilchen, Kamille, Gezähnter Feldsalat, Kornblume oder auch Klatschmohn zählen dazu – alles Arten, die bis noch vor einigen Jahrzehnten ganz selbstverständlich auf jedem Acker blühten.
Violetter Teppich
Acht der Zielarten und viele weitere Begleitarten wurden auf einem Acker im Flaacher Feld gefunden. Damit gewann er die Ackerflora-Meisterschaft. Der Acker liegt am Rand einer stillgelegten Kiesgrube und gehört seit einer Melioration dem Kanton. Familie Bachmann vom Wydhof bewirtschaftet ihn schon seit Jahrzehnten. Die sehr zurückhaltende Düngung ausschliesslich mit Hofdünger, der komplette Verzicht auf Spritzmittel, die getreidebetonte Fruchtfolge, die reduzierte Saatmenge, die ausbleibende mechanische Bodenbearbeitung nach der Saat und das lange Stehenlassen der Stoppelbrache haben zur jetzigen Vielfalt geführt. «Ja, es ist aufwendig und der Ertrag ist geringer. Aber der Boden hier ist sowieso eher mager, sandig und wenig tiefgründig. Und wir werden ja dafür entschädigt», sagt Ernst Bachmann, der Anfang 2025 den Betrieb an Tochter Tanja übergeben hat. Mit dem Sieg der Ackerflora-Meisterschaft 2025 kommt eine einmalige Prämie von 2000 Franken zu den Entschädigungen hinzu.
Im Sommer setzen die klassischen Ackerbegleiter Kornblume und Klatschmohn mit ihrem Blau bzw. Rot farbliche Akzente im Feld. Ganz besonders fällt aber jeweils auch der violette Teppich aus Venus-Frauenspiegel auf. Der Bestand von Legousia speculum-veneris wird als verletzlich eingestuft. In vier Kantonen ist er gar geschützt. «Es gibt nicht viele violett blühende Arten auf unseren Äckern. Deshalb ist der Venus-Frauenspiegel besonders interessant, da möglichst viele Blütenfarben unterschiedliche Insekten anziehen», so Tanja Bachmann.
Biodiversität lohnt sich
Ranken-Platterbse, Venuskamm, Ackersenf oder Acker-Rittersporn sind weitere Arten auf dem Flaacher Acker. Sie alle wachsen schon seit der Jungsteinzeit bei uns auf Getreidefeldern, seit eben Ackerbau betrieben wird. Sie sind auf diesen Lebensraum angewiesen und könnten in einem klassischen Naturschutzgebiet, das kaum bearbeitet wird, nicht überleben. Die intensive Landwirtschaft bedeutet jedoch gleichermassen ihr Verschwinden. «Für eine möglichst intakte Biodiversität sind vielfältige Pflanzen, die Nahrung für zahlreiche Insekten bieten, zentral», erklärt Jessica Käser, Leiterin des Projektes «Förderung seltener Ackerbegleitpflanzen auf Extensiv-Äckern» im Auftrag von Hot Spots. «Und die Insekten wiederum bestäuben auch unsere Nutzpflanzen. Man geht von einem jährlichen Nutzwert der Bestäubungsleistungen zwischen 205 und 479 Millionen Franken aus, den die Insekten in der Schweiz leisten.»
Tanja Bachmann sagt denn auch: «Ich sehe den Nutzen durchaus von solchen Strukturen zur Förderung der Biodiversität. Und irgendwo müssen sie ja sein. Von daher finde ich das eine gute Sache, die ich sicher weiter fördern werde.» Der Gewinn des diesjährigen Ackerflora-Preises motiviert zusätzlich.
Als zweitvielfältigster Acker wurde übrigens eine von Barbara Rüeger in Eglisau bewirtschafteter Fläche ausgezeichnet und auf Platz drei landete ein Acker von Roland Rüetschi in Andelfingen. Herzliche Gratulation an alle Gewinnerinnen und Gewinner.