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Kommentar der Woche

Schuldzuweisungen lösen keine Probleme

Marc Peter mit dem Kommentar der Woche. Bild: zVg
Marc Peter, Wiesendangen

Zu Beginn dieses Jahres stehen schwere Aufgaben an. Das erschütternde und erschreckende Brandunglück in Crans Montana wühlt das ganze Land auf. In Familien klaffen über Nacht Lücken und Unzählige bangen um das Leben der Schwerverletzten in den Spitälern. 

Dass in den Medien bereits am Tag nach dem Unglück ausgiebig die Frage nach den Schuldigen und Verantwortlichen diskutiert wurde, hat mich im ersten Moment stark irritiert. Nichts wird dadurch wieder gut. Trotzdem muss in unserer Gesellschaft für Fehlverhalten Verantwortung übernommen und Rechenschaft abgelegt werden. Wir sind stolz auf unsere Demokratie, sie funktioniert aber nur, wenn Recht durchgesetzt und Gerechtigkeit geschaffen wird. 

Ich wünsche mir, dass den Opferfamilien und den Verletzten grosszügig und unbürokratisch geholfen wird. Wir vermögen das und sollten dazu auch fähig sein. Andererseits soll dieses Unglück auch ein Weckruf sein. Dort hinschauen und die Verantwortung wahrnehmen, wo Gefahr besteht und Leben auf dem Spiel stehen. Verantwortung ist nicht nur ein Lohnbestandteil, sondern muss auch gelebt und umgesetzt werden. Das ist häufig unbequem, aber unabdingbar.

Wenn ein Ereignis zu gross ist, um mit der Verantwortung Einzelner begründet und geklärt zu werden, stehen wir alle als Zivilgesellschaft in der Pflicht. Eine grosse Last solidarisch auf die Schultern aller verteilen zu können, ist ein starkes Zeichen und ein Zeichen für eine starke Gesellschaft.

Auch wenn die aktuellen Diskussionen um PFAS oder Pflanzenschutzmittel in keiner Weise mit der Dramatik des Neujahrsunglücks verglichen werden können, gibt es Parallelen. Der ausgestreckte Zeigefinger auf unsere Berufsgruppe befreit die anklagenden Medien davon, der übrigen Bevölkerung objektiv ihre Mitverantwortung vor Augen zu führen, löst aber keine Probleme. Die unbequeme Frage, wer für die Langzeitfolgen des Konsums und der Anwendung von PFAS geradestehen muss, wird sich kaum schwarz-weiss beantworten lassen. Auch hier werden wir auf eine solidarische Lösung angewiesen sein. 

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