Woher stammt Schweizer Mineralwasser genau und worin unterscheidet es sich qualitativ von normalem Trinkwasser aus dem Hahn?
In der Schweiz wird Mineralwasser an rund 20 unterirdischen, geschützten Quellen abgefüllt. Im Gegensatz zu Leitungswasser muss Mineralwasser laut Gesetz am Quellort unbehandelt in verschliessbare Behältnisse abgefüllt werden, damit seine ursprünglichen Eigenschaften erhalten bleiben. Mineralwasser durchfliesst jahrelang Gestein und nimmt so Mineralien und Spurenelemente auf – daher hat jedes Wasser eine typische Mineralisierung. Es muss höchste Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen erfüllen. Nur Kohlensäure darf in der Produktion hinzugefügt werden.
Wie oft und von wem wird das Mineralwasser kontrolliert? Was sind die Kriterien?
Damit ein Wasser als natürliches Mineralwasser gilt, muss es den Vorschriften der Getränkeverordnung entsprechen. Die Abfüller prüfen ihr Mineralwasser chargenweise – also jede abgefüllte Produktionsmenge – chemisch, mikrobiologisch und sensorisch. Zusätzlich führen externe Labors Kontrollen durch. Diese Untersuchungen bestätigen konstant eine hohe Qualität von natürlichem Schweizer Mineralwasser.
Stehen bestimmte Stoffe wie PFAS oder Pestizide derzeit besonders im Fokus?
PFAS sind in der Natur allgegenwärtig. In einzelnen Mineralwässern sind in der Vergangenheit geringste Spuren nachgewiesen worden. Die Spuren sind unschön, aus gesundheitlicher Sicht jedoch harmlos. Sie liegen weit unter den Höchstwerten, die für Trinkwasser und Lebensmittel gelten.
Wieso braucht die Schweiz als Trinkwasser-Land überhaupt Mineralwasser – in welchen Situationen ist Mineralwasser klar im Vorteil?
Natürliches Mineralwasser ist von Natur aus einwandfrei trinkbar und steht für konstante Qualität und Sicherheit. Leitungswasser hingegen kann aus Seen und Flüssen gewonnen werden. Da es Einflüssen aus der Umwelt ausgesetzt ist, muss es teilweise aufbereitet werden. Zur Aufbereitung von Trinkwasser, das heisst zur Desinfektion, sind laut der entsprechenden Verordnung unter anderem die UV-Bestrahlung und die Chlorung erlaubt. Dagegen muss Mineralwasser bereits an der Quelle einwandfrei sein.
Spüren Sie Auswirkungen des Klimawandels auf Quellen? Wie sichern Sie die langfristige Verfügbarkeit Ihrer Quellen?
Mineralquellen liefern dauerhaft gleich viel Wasser, unabhängig von kurzfristigen Einflüssen wie Regen, Trockenheit oder Temperaturschwankungen. Damit die hohe Qualität von Mineralwasser erhalten bleibt, ist aber aktiver Quellenschutz nötig. Gebiete um die Mineralquellen sind deshalb Schutzzonen. Unternehmen, die natürliches Mineralwasser abfüllen, schützen ihre Quellen in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. Dazu zählen unter anderem Landwirte und Gemeinden. Abfüller von natürlichem Mineralwasser überwachen die klimatischen Bedingungen und die Wasserströme, um eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen zu gewährleisten.
Welche konkreten Schritte unternehmen Mineralwasserhersteller, um den ökologischen Fussabdruck zu reduzieren?
Getränkehersteller reduzieren die Umweltauswirkungen kontinuierlich – unter anderem mit erneuerbarer Energie, durch Recyclingmaterial und leichtere Verpackungen. Laut einer Studie des BAFU zählen PET-Flaschen zu den Getränkeverpackungen mit den geringsten Umweltauswirkungen, weil sie leicht sind und gut recycelt werden können. PET ist ein Wertstoff und Teil einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft.
Thema der Woche
Jede Woche erscheint unter dem Projektnamen «Familie Richter» eine neue Episode zu einem landwirtschaftlich geprägten Thema. Alle Beiträge in voller Länge werden jeweils am Dienstagmorgen unter www.naturtalent.ch/familierichter veröffentlicht.