PFAS in Lebensmitteln, Ammoniak- und Methanausscheidungen aus der Rindviehhaltung, Pflanzenschutzmittelrückstände im Boden und im Wasser, keine belastbaren Gründe für das Insektensterben, fehlende Wirkstoffe, um Tier- und Pflanzenkrankheiten abzuwehren, stagnierende oder rückläufige Erträge bei Hauptkulturen wie Getreide, Zuckerrüben und Ölsaaten, fehlende Genomik bei weitverbreiteten Krankheiten beim Rindvieh – die Liste würde sich problemlos erweitern lassen.
Vor noch nicht allzu langer Zeit waren das Themen, die durch die öffentlich finanzierten Forschungsinstitutionen aufgegriffen und mit naturwissenschaftlichen Instrumenten angegangen wurden, um praxisgerechte Lösungen zu suchen. Dank dem ständigen und intensiven Wissenstransfer aus der Forschung konnten landwirtschaftliche Familienbetriebe dadurch qualitativ hochwertige Nahrungsmittel umweltverträglich und effizient produzieren.
Das Bild hat sich geändert: Als Beispiel fand kürzlich die Wülflinger-Tagung zur PFAS -Problematik ohne Beteiligung von Schweizer Forschungsinstitutionen statt, dafür referieren süddeutsche Forschende. Die grösste Sorge im Saal war, dass Bundesämter voreilig aktiv werden, verbindliche Empfehlungsschreiben an die Kantone verschicken und damit wissenschaftlich nicht erhärtete PFAS-Grenzwerte in Lebensmitteln festlegen, die dann selbstredend sofort und gründlich umgesetzt werden müssen.
Was läuft da falsch? Sind es die knapper werdenden Finanzmittel, die für angewandte Forschung gesprochen werden? Sind es die Grabenkämpfe innerhalb der Forschungsinstitutionen, wo es mehr um Standort- und Finanzfragen als um Inhalte geht? Ist es die ausufernde Veradministrierung, die Versuche mit Tieren und mit neuen Technologien in der Schweiz faktisch verunmöglichen? Sind es zunehmend von der Praxis entfremdete Forschende, die zwar ihr Handwerk verstehen, aber vollends auf die falschen Themen setzen? Sind es die erfolgreichen Privatfirmen, die mit ihren finanziellen Möglichkeiten und ihren ausgereiften Marketingstrategien den offiziellen Stellen zunehmend den Rang ablaufen und das Feld in ihrem Sinn bestellen? Sind es die sehr umfangreichen Auflagen seitens ÖLN, Gewässerschutz, Tierschutz, Naturschutz und Labelgebern, die das Interesse an neuen Erkenntnissen ersticken?
Viele Fragen, die wohl keine eindeutigen Antworten haben. Für mich bleibt die wichtigste Frage: Wo bleibt die öffentlich finanzierte, unabhängige Forschung und der faktenbasierte Know-how-Transfer in die Praxis?