Die aktuelle Situation auf dem Milchmarkt ist für die Milchproduzenten eine riesige Herausforderung. Die tiefen Auszahlungspreise gefährden die Wirtschaftlichkeit vieler Betriebe. Schonungslos wird klar, dass die gesamte Branche noch keine gemeinsame Antwort hat, wie in solchen Situationen verhindert wird, dass die Preise im geschützten Inlandmarkt nicht unnötig unter Druck kommen.
Die eigentlich dafür vorgesehene Segmentierung wird zur Farce, wenn alle Beteiligten ihre Milch in die geschützten Märkte drücken und erwartet wird, dass andere Produzenten im ungeschützten B-Segment oder als C-Milch vermarkten. Das führt unweigerlich zu einem Preiszerfall in den geschützten oder gestützten Segmenten, weil kaum eine Organisation bereit sein wird, zweimal den Winkelried zu spielen. Sämtliche Organisationen sollten sich dessen bewusst sein und sich nicht mit kurzfristigen Preisvergleichen begnügen, sondern das gesamte Preisniveau im Fokus behalten.
Besonders heikel ist in dieser Phase der aktive Veredelungsverkehr. Er erlaubt es, ausländische Rohstoffe zollbegünstigt zu importieren, zu verarbeiten und wieder auszuführen. Für die verarbeitende Industrie ist das ein willkommenes Ventil, um international konkurrenzfähig zu bleiben. Für die inländische Milchproduktion hingegen wirkt es wie ein systemischer Kurzschluss: Während Schweizer Milch im Überfluss vorhanden ist, wird sie durch billigere Importware verdrängt. Das Resultat ist ein Markt, der sich selbst kannibalisiert.