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Diese Woche bei Familie Richter: Bauern in der Politik

«Die Gesellschaft hat eine Grundsympathie für Bauern»  

Diese Woche diskutiert die Familie Richter das Thema Bauern in der Politik. Warum engagieren sich so viele Bauern in der Politik? Bild: mit KI generiert

Die Grünen-Nationalrätin Christine Badertscher und der FDP-Ständerat Damian Müller beantworten die gleichen Fragen zum Erfolg bäuerlicher Vertreter in der Schweizer Politik – mit vielen Überschneidungen trotz unterschiedlicher politischer Lager.

Interview: Ravena Frommelt

Warum wählen die Menschen in der Schweiz so häufig Landwirte und Landwirtinnen in politische Ämter?

Müller: Landwirtinnen und Landwirte sind in ihren Gemeinden stark verankert. Sie sind sichtbar, ansprechbar und übernehmen Verantwortung. Viele Menschen schätzen diese Bodenständigkeit und Nähe zur Realität.

Badertscher: Aus meiner Zeit als Gemeinderätin in Madiswil BE weiss ich: Menschen aus der Landwirtschaft übernehmen früh Verantwortung – in Gemeinden, Vereinen oder etwa bei der Feuerwehr. Der politische Weg führt meist über die Gemeinde- und später die Kantonsebene, selten direkt ins nationale Parlament. Landwirtinnen und Landwirte sind es gewohnt, mehr zu leisten als gefordert, Verantwortung zu tragen und nicht um 17 Uhr Feierabend zu machen. Dieses Engagement zeigt sich auch politisch. Hinzu kommt eine Grundsympathie in der Bevölkerung: Der Beruf des Bauern gilt als bodenständig, konkret und «echt» – ein Bild, mit dem sich viele identifizieren können.

Gibt es in der Landwirtschaft denn auch mehr Bedarf als für Menschen aus der Stadt, über gewisse Bereiche zu sprechen, etwa um Bedingungen zu verbessern?

Badertscher: Das kommt sicher hinzu. Politik spielt in der Landwirtschaft eine zentrale Rolle, da politische Entscheide Landwirtinnen und Landwirte oft direkter und stärker betreffen als etwa Angestellte in einem KMU.

Bauern sind in der Politik oft sehr erfolgreich. Was macht diese Gruppe der Gesellschaft so durchsetzungsstark? Was ist vielleicht ihr «Erfolgsgeheimnis»?

Müller: Sie sind gut organisiert, klar in ihren Anliegen und ausdauernd. Zudem bringen sie unternehmerisches Denken und langfristige Perspektiven mit. Das schafft Glaubwürdigkeit. Wichtig ist zudem: Die Ernährungswirtschaft ist viel breiter, als oft wahrgenommen wird. Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Logistik sind eng miteinander verbunden.

Badertscher: Ein Erfolgsfaktor ist sicher auch, dass Bäuerinnen und Bauern in der Schweiz in allen Parteien vertreten sind. Wären sie nur in einer Partei organisiert, hätten sie zwar dort Rückhalt, würden aber politisch insgesamt weniger bewirken – zumal keine Partei im Nationalrat die absolute Mehrheit hat. Durch die breite parteipolitische Verankerung können bäuerliche Vertreterinnen und Vertreter in allen Fraktionen Einfluss nehmen. Nicht immer mit Erfolg, aber es ist überall jemand da, der sich für die Anliegen der Landwirtschaft einsetzt. 

Ist der politische Erfolg der Schweizer Bauern aus Ihrer Sicht verdient und gerechtfertigt – oder gibt es vor allem Strukturen, die sie besonders begünstigen?

Müller: Beides. Die Landwirtschaft verfügt über starke Verbände und Netzwerke. Gleichzeitig beruht der Erfolg auf persönlichem Einsatz, Fachwissen und politischer Arbeit. Wer Landwirtinnen und Landwirte pauschal als Subventionsjäger bezeichnet, liegt falsch. Viele kämpfen um ihre Existenz. Der Bund verändert immer wieder die Rahmenbedingungen und Parameter. Das erschwert langfristige Planung massiv.

Badertscher: Wenn man genauer hinschaut, zeigt sich: Bauern setzen sich politisch längst nicht immer durch, und der Druck ist gross. Sie stehen unter Beobachtung – auch mit der Erwartung, den Goodwill der Bevölkerung nicht zu verspielen. Öffentlicher Druck kann Entscheidungen auch wieder kippen. Was mich ärgert: Nach Budgetdebatten heisst es oft pauschal, die Bauern erhielten mehr Geld. Tatsächlich geht es meist darum, Kürzungen zu verhindern. Die Mittel für die Landwirtschaft sind seit Jahren weitgehend konstant – nicht stetig steigend, wie es von aussen oft wahrgenommen wird.

Thema der Woche

Jede Woche erscheint unter dem Projektnamen «Familie Richter» eine neue Episode zu einem landwirtschaftlich geprägten Thema. Alle Beiträge in voller Länge werden jeweils am Dienstagmorgen unter www.naturtalent.ch/familierichter veröffentlicht. 

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