Im letzten November, als die Böden vom Regen bereits ziemlich nass waren, entdeckte ich auf einer unserer Wiesen viele Fahrspuren eines Autos. Beim genaueren Betrachten war schnell klar, dass hier ein Unbekannter wohl ein kleines Privatrallye veranstaltet hatte. Wenig erfreut über den entstandenen Landschaden schrieb ich einige Wochen später einen kleinen Artikel mit Fotos in unserem Dorfblatt. Nicht in der Hoffnung, dass sich der Täter meldet, sondern vielmehr im Gedanken, ihn auf den verursachten Schaden und die damit verbundenen Folgen für den Boden und uns als Bewirtschafter hinzuweisen. Umso erstaunter waren wir, als am Abend des Publikationstags ein junger Mann in Begleitung seiner Mutter zu uns auf den Hof kam und sich zum verursachten Schaden bekannte. Im Gespräch zeigte sich, dass er keine Ahnung hatte, dass Wiesen die Nahrungsgrundlage für unsere Tiere sind und indirekt auch zu seiner Ernährung beitragen. Er war der Meinung, wenn eine Wiese mit dem Traktor befahren wird und Kühe darauf weiden, dann sei es absolut kein Problem, wenn er sein Auto darauf testet.
Da sich der junge Rallyefahrer noch in Ausbildung befindet, mit entsprechend beschränkten finanziellen Möglichkeiten, war er einverstanden, den verursachten Schaden durch einen Arbeitseinsatz diesen Sommer auf unserem Betrieb abzugelten. Wir hoffen, dass er aus diesem Arbeitseinsatz einiges Wissen und Verständnis über die Landwirtschaft mitnehmen kann.
Wir als Familie waren sehr erstaunt und erfreut darüber, dass es in der heutigen Zeit noch junge Menschen gibt, die bereit sind, ein Vergehen zuzugeben und für den verursachten Schaden aufzukommen. Gleichzeitig zeigte uns dieses Erlebnis, wie wenig Wissen in der breiten Bevölkerung über die Landwirtschaft und die Zusammenhänge der Natur vorhanden ist. Selbst im ländlichen Zürcher Oberland ist es wichtiger denn je, die Möglichkeiten zur Aufklärungsarbeit zu nutzen. Sei es mit einem Stand an der Gewerbeausstellung oder ganz einfach mit einem aufklärenden Gespräch am Feldrand.
Ich bin überzeugt, je tiefer das Verständnis der Bevölkerung über die Zusammenhänge der Natur und die Arbeit der Landwirtschaft ist, desto mehr Unterstützung dürfen wir von ihr erwarten.