Mein Grossvater ass zum Frühstück einen Apfel und Haferflocken. Den Apfel schabte er mit dem Messer aus der Schale, die Haferflocken kochte er in Wasser – ohne Salz, ohne Zucker, ohne jedes kulinarische Entgegenkommen. Gesund? Bestimmt. Für mich als Kind aber weitgehend ungeniessbar.
Und weitgehend ungeniessbar ist auch die Art, wie bei Lebensmitteln hierzulande getrickst wird. Wir von der «Familie Richter» sind kürzlich der Frage nachgegangen, warum sich die Menge importierter Teiglinge in den letzten 20 Jahren beinahe verdreifacht hat. Klingt harmlos. War es aber nicht. Beim Recherchieren hatten wir stellenweise das Gefühl, in ein Wespennest gestochen zu haben. Selten wurde bei einem Thema so vorsichtig formuliert, so elegant ausgewichen und so zurückhaltend Auskunft gegeben. Offenbar geht es um ein Geschäft, mit dem sich ziemlich gutes Geld verdienen lässt.
Denn der Schutz von Schweizer Brotgetreide greift in Form von Zoll zunächst noch kräftig. Beim Mehl schon weniger. Beim Teigling fast gar nicht mehr. Und beim fertig vorgebackenen Gipfeli bleibt vom Schutzschirm nur noch ein Papierschirmchen für den Cocktail übrig.
Natürlich ist nicht jeder importierte Teigling ein Skandal. Aber wenn Konsumenten bewusst «Schweiz» kaufen wollen, sollten sie sich darauf verlassen dürfen, dass mehr Schweiz drinsteckt als bloss der letzte Backvorgang im Ladenofen.
Vielleicht hätte mein Grossvater zu alledem trocken genickt. Vielleicht hätte er aber auch ungläubig den Kopf geschüttelt. Denn bei ihm gab es stets Schrotbrot aus Roggen. Täglich. Ein Leben lang. Wie das geschmeckt hat? Hart und sauer – aber ehrlich.