Unsere Weiderinder sollen sich von einer Weide oberhalb über die Kantonsstrasse auf die unterhalb gelegene Weide verschieben. Das Gras lockt dort frisch und saftig. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiss, es handelt sich um eine junge Rindergruppe, die meisten davon frisch bei uns und vor allem zum ersten Mal auf einer Weide. So stehe ich motiviert am Strassenrand – den Hirtenstab in der einen, den Zaungriff in der anderen Hand. Bereits sehe ich die Rinder, wie sie über die hügelige Weide galoppiert kommen. Die vordersten Tiere haben die Strasse schon fast überquert, als sie mit einem lauten Tumult rechtsum kehrt machen und nicht etwa zurück in die alte Weide, sondern über die Kantonsstrasse durch den gespannten Zaun davon stürmen. Sie sind schnell über alle Berge. Was dann kommt, ist ein zweistündiger Marathon. Die Herde zieht über Weiden, Felder, durch frisch gespannte Weidezäune, vorbei an Wald, Stall, Garten und wieder zurück auf die Kantonsstrasse. Immer wieder kommen einige in die Zielweide, ehe sie sich wieder in irgendeine Richtung davon machen – gefolgt vom restlichen Tross.
Der Spätsommertag ist feuchtwarm, ein Gewitter braut sich am Horizont zusammen. Unterdessen sind meine Schwiegermutter und ihr Besuch ebenfalls zu Hilfe geeilt. Die Besucherin, eine benachbarte, pensionierte Bäuerin, hatte die Wanderschuhe griffbereit im Kofferraum ihres Autos und ist sofort mit vollem Einsatz dabei. Ihre Mithilfe ist mehr als willkommen. Wir sind unterdessen sechs Personen und hetzen weiterhin schweissgebadet unseren Rindern nach.