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Strahlend, klug und nahrhaft

Wie Sonnenblumen unser Leben erhellen

Das Gesicht stets der Sonne zuwenden – das kann nicht nur die Familie Richter von den Sonnenblumen lernen.

Strahlend, klug und nahrhaft: Wie Sonnenblumen unser Leben erhellen

Diese Fragen werden im folgenden Artikel beantwortet:



  • Woher kommen Sonnenblumen ursprünglich?

  • Wie hoch können die fröhlichen Pflanzen werden?

  • Was haben Herstellerfirmen von Solaranlagen von Sonnenblumen «gelernt»?

  • Wie verbreitet ist die Produktion von Sonnenblumenöl in der Schweiz?

  • Wofür kann Sonnenblumenöl verwendet werden?

  • Welche unterschiedlichen Sonnenblumenöle gibt es?

  • Wozu wird das Öl auch ausserhalb der Küche verwendet?


Die Sonnenblume hat einen hohen symbolischen Wert. So steht sie für Eigenschaften wie Sonne, Licht, Wärme, Optimismus, Lebensfreude oder Dankbarkeit. Doch auch ernährungstechnisch ist die «sonnige» Blume mit ihren nahrhaften Kernen und dem geschmacksneutralen Öl wertvoll. 

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Auf den ersten Blick verfügt die Sonnenblume über eine einzige grosse Blüte, doch wer genauer hinsieht, merkt: Es sind viele kleine, dicht gedrängte Einzelblüten. Das Ganze wirkt wie ein «Blütenkorb». Kein Wunder, gehört die Sonnenblume denn auch zu den sogenannten «Korbblütlern».

Das Leben einer Sonnenblume ist kurz: Die Pflanze keimt, wächst, blüht, bildet Samen und stirbt – und das alles innerhalb eines Jahres. Sie überdauert den Winter also nicht als ausgewachsene Pflanze; nur ihre Samen können überwintern und im nächsten Jahr neue Sonnenblumen hervorbringen.

Während ihres Wachstums auf den Feldern benötigen Sonnenblumen anfangs viel Wasser. Dafür kann die Blume danach, bis zur Reifung ihrer Kerne, auch lange trockene Perioden überstehen. «Die Sonnenblume hat also durchaus Potenzial auf unseren Schweizer Böden», stellt Landwirt Marco Hirt aus Oberweningen ZH im Podcast fest. Auf seinem Erlenhof passe die Sonnenblume gut in die Fruchtfolge – also in den jährlichen Wechsel der angebauten Pflanzen auf dem Feld –, schlage tiefe Wurzeln und brauche im Vergleich zum Raps nur wenig Pflanzenschutzmittel, so der Landwirt weiter. 

Podcast-Folge der Woche

Was Solaranlagen von Sonnenblumen lernen

Die aus Amerika stammende Sonnenblume kann Höhen bis zu drei Metern erreichen. Einige Riesensorten erreichen sogar fünf Meter – werden also so hoch wie ein Doppeldeckerbus! Erstmals gelangten Samen um 1552 mit europäischen Seefahrern nach Europa. Naturwissenschaftler in Spanien und Italien staunten nicht schlecht, als sie feststellten: 

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Die Sonnenblume-Knospe – das ist die noch geschlossene Blüte – «bewegt» sich mit der Sonne im Verlauf des Tages von Osten nach Westen. Sie wendet sich also stets der Sonne zu, um möglichst viel Sonnenlicht zu bekommen. Dieser Vorgang nennt sich «Heliotropismus». Gewisse Hersteller von Solaranalgen und PV-Systemen haben sich von diesem natürlichen Heliotropismus der Sonnenblumen inspirieren lassen: Auch ihre Anlagen nutzen Technologien wie Smart Tracking, die dafür sorg, dass Solarmodule dynamisch der Sonne folgen und möglichst viel Sonnenenergie einfangen. 

Heliotorpismus bei Sonnenblumen

90 Prozent des Sonnenblumenöls sind importiert

Aus den getrockneten Blütenköpfen der Sonnenblumen lassen sich im Herbst Sonnenblumenkerne ernten. Aus diesen Kernen kann durch Kaltpressung oder chemische Extraktion Sonnenblumenöl hergestellt werden. Der Konsum des hellgelben Öls mit dem mild-nussigen Geschmack beträgt in der Schweiz jährlich etwas über fünf Kilogramm pro Person. Doch davon sind nur knapp 10 Prozent in der Schweiz produziertes Öl. Der grosse Rest wird aus dem Ausland importiert: Aus Tansania, Argentinien oder der Ukraine.

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Einer der wenigen Sonnenblumenöl-Produzenten in der Schweiz ist Lukas Lustenberger von der Mühle Briseck bei Zell LU. Jährlich produziert der kleine Betrieb rund 25'000 Liter Sonnenblumenöl. «Aus einer Tonne Sonnenblumenkerne pressen unsere Maschinen zwischen 350 und 400 Liter Öl heraus», erzählt Lustenberger im Video. Doch der Profit hört hier nicht auf, denn der «Abfall», nämlich die ausgepressten Sonnenblumenkerne, geht als Sonnenblumenkuchen in die Tierfütterung. 
Video der Woche

Nun ist das Öl aus den Kernen der Sonnenblume gepresst und in Flaschen abgefüllt. Doch was kann man damit machen? Und was bedeuten die verschiedenen Flaschenfarben? Die letzte Frage ist schnell beantwortet: Rote Flaschen enthalten raffiniertes Sonnenblumenöl; dieses ist ideal zum Braten, Backen und Frittieren. Das Öl in gelben Flaschen ist kaltgepresstes und eignet sich für kalte Speisen, Dressings oder sanftes Dünsten. 

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Doch nicht nur in der Küche entfaltet Sonnenblumenöl seine Wirkung: Auch in der Kosmetik, in der Medizin als Bestandteil von Salben oder Trägerstoff in Nahrungsergänzungsmitteln oder sogar für die Holzpflege lässt sich das Öl anwenden «Ein paar Tropfen auf Holzutensilien einmassiert schützen etwa Schneidebrettchen oder Kochlöffel vor dem Austrocknen und halten sie geschmeidig», erklären Marco Breitenbach, Tobias Hitz und Fabio Cordarini vom Ausbildungszentrum «Hotel&Gastro formation» in Wädenswil ZH im Interview am Ende dieses Beitrags.

Statistik der Woche

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Interessante Zahlen und Fakten zum Thema Sonnenblumen:

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Interview der Woche

«Ein Multitalent in der Küche – und darüber hinaus!»

Marco Breitenbach, Tobias Hitz und Fabio Codarini sind Instruktoren Küche am Ausbildungszentrum «Hotel & Gastro formation» in Wädenswil ZH. Im Interview erklären sie, für welche Speisen sich Sonnenblumenöl eignet und wo das Vitamin-E-reiche Öl auch ausserhalb der Küche besondere Talente zeigt.  

Sonnenblumenöl wird oft als «Allrounder» in der Küche bezeichnet. In welchen Gerichten oder Zubereitungsarten spielt es seine Stärken besonders gut aus? 

Sonnenblumenöl ist sehr vielseitig. Raffiniertes Öl ist geschmacksneutral und hitzebeständig, wodurch es sich ideal zum Braten, Backen und Frittieren eignet, ohne den Eigengeschmack der Speisen zu verändern. Kaltgepresstes Öl eignet sich besonders für Salate, Dressings oder Marinaden, da es durch sein leicht nussiges Aroma die Gerichte geschmacklich bereichert und die natürliche Frische unterstützt. 

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Gibt es beim Kochen mit Sonnenblumenöl bestimmte «No-Gos»?

Kaltgepresstes Sonnenblumenöl verträgt keine hohen Temperaturen und sollte daher nicht zum Anbraten oder Frittieren verwendet werden. Raffiniertes Öl hingegen kann Temperaturen bis zu 210° C aushalten und ist für heisse Zubereitungen optimal. Tipp für den Einkauf: Auf Bezeichnungen wie «hoch erhitzbar» (High Oleic) für raffinierte oder «nativ» für kaltgepresste Öle achten, um die passende Variante zu finden.

Gibt es kreative oder unerwartete Einsatzmöglichkeiten von Sonnenblumenöl?

Sonnenblumenöl kann weit mehr als nur Braten und Backen! Es eignet sich hervorragend für hausgemachte Mayonnaise, Aioli oder cremige Dips. Auch ausserhalb der Küche zeigt es Talente: Ein paar Tropfen auf Holzutensilien einmassiert schützen etwa Schneidebrettchen oder Kochlöffel vor dem Austrocknen und halten sie geschmeidig, während kaltgepresster Öl dank Vitamin E und wertvollen Fettsäuren Haut und Haare pflegt – etwa als sanftes Gesichtsöl, Make-Up-Entferner oder zur Pflege trockener Haarspitzen.

Wie bewahrt man Sonnenblumenöl richtig auf?

Idealerweise kühl, dunkel und gut verschlossen wie in einem Schrank oder einer Speisekammer, um Licht, Wärme und Sauerstoff zu vermeiden, die die Qualität des Öls beeinträchtigen könnten.  Flaschen nicht in Nähe des Herds lagern, da Hitze die Oxidation beschleunigt – diese lässt das Öl verderben. Nach dem Öffnen sollte das Öl innerhalb von drei bis sechs Monaten verbraucht werden. Kaltgepresstes Öl ist empfindlicher und benötigt besonders sorgfältige Lagerung.

Hat sich der Konsum von Sonnenblumenöl in den letzten Jahren verändert?

Ja, die Nachfrage nach nativen, gesünderen Ölen steigt, ebenso wie das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Regionalität. Alternativen wie Rapsöl gewinnen daher zunehmend Marktanteile, denn viele regionale Bauern setzen darauf.

Olivenöl gilt oft als hochwertiger. Wie schneidet Sonnenblumenöl in puncto Regionalität, Umweltbilanz und Vielseitigkeit im Vergleich ab? 

Sonnenblumenöl stammt häufig aus heimischem oder angrenzendem Anbau wie Frankreich oder Deutschland und benötigt weniger Wasser als Olivenbäume, was ressourcenschonender ist. Im Geschmack ist es neutraler als Olivenöl, wodurch es vielseitig eingesetzt werden kann, während Olivenöl eher durch einen intensiven Geschmack punktet. 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Sonnenblumen stammen ursprünglich aus Amerika. Im 16. Jahrhundert führten europäische Seefahrer ihre Kerne nach Spanien und Italien mit.

  • Sonnenblumenknospen richten sich nach der Sonne: Morgens zeigen sie gegen Osten, abends gegen Westen. Gewisse Herstellerfirmen von Solaranlagen haben dieses Verhalten den schlauen Pflanzen «abgeschaut».

  • Nur 10 Prozent des Sonnenblumenöls, das in der Schweiz konsumiert wird, wurde auch hierzulande produziert. 

  • Aus einer Tonne Sonnenblumenkerne entstehen 350-400 Liter Sonnenblumenöl.

  • Raffiniertes Sonnenblumenöl eignet sich zum Backen, Braten und Frittieren. Kaltgepresstes eher für kühle Speisen wie Salate. 



Für den vorliegenden Beitrag wurden folgende Quellen verwendet:

Klimabaustein: Einheimische Ölquellen

Schweiz deckt fast ein Viertel des Bedarfs an Speiseölen selbst - bauernzeitung.ch | BauernZeitung

Sonnenblumenöl - Helianthus Annuus (Sunflower) Seed Oil - Cosmacon

Sonnenblumenöl – Wikipedia

Die Größe der Sonnenblume – wie groß wird sie wirklich?

Sonnenblumenöl: In der Schweiz sind Speiseöl-Regale voll - warum? Und was kostet es? | SÜDKURIER

Zell: Sonnenblumenöl aus der Mühle Briseck

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02. 09. 2025
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