Die folgenden Fragen beantworten wir im Beitrag:
- Wieso sind erneuerbare Energien immer mehr ein Thema?
- Welche Bedeutung kommt Biogas-Anlagen in dieser Diskussion zu?
- Wie sieht die aktuelle Situation in der Schweiz aus?
- Mit welchen Entwicklungen kann man in Zukunft rechnen?
- Wie funktionieren Biogas-Anlagen genau und was produzieren sie alles?
- Wann lohnt sich eine Biogas-Anlage für einen Bauernhof?
- Gibt es auch Biogas-Anlagen im städtischen Umfeld?
Wieso Biogas jetzt ein Thema ist
Die Bevölkerung wächst und wächst – derzeit um etwa 70 Millionen Menschen pro Jahr weltweit und 50’000 Personen jährlich in der Schweiz. Bereits im Jahr 2040 sollen hierzulande 10 Millionen Menschen leben, also eine Million mehr als heute, prognostiziert das Bundesamt für Statistik (BFS). Und weltweit gesehen werden es in 15 Jahren laut dem Bericht «Global Trends 2040» rund 9,2 Milliarden Menschen sein – fast eine Milliarde (!) mehr als heute, im Jahr 2025. Was hingegen nicht unaufhaltsam wächst, sind die fossilen Energieressourcen: Erdöl, Erdgas und Kohle. Diese Energien sind «fossil», da sie über Jahrmillionen durch Druck und Hitze aus abgestorbenen Organismen entstanden sind – es sind also im Boden «versteinerte» Energien vergangener Erdzeitalter. Internationale Energieorganisationen schätzen, dass bei den derzeitigen Förderraten die weltweiten Vorräte noch für 50 bis 130 Jahre reichen werden.
Selbst der Abfall des Abfalls ist verwertbar
Die Energieproduktion basiert bei Biogas-Anlagen auf dem Prinzip der anaeroben Vergärung: Mikroorganismen zersetzen organisches Material unter Ausschluss von Sauerstoff. Diese Vergärung geschieht im «Herzstück» einer Biogas-Anlage, dem sogenannten «Fermenter», erklärt Xaver Weber im Interview am Ende dieses Beitrags. Weber ist Geschäftsführer der Herstellerfirma «BiogasTec AG».
Video der Woche
Vom Testlauf zum Trend
Wie lange gibt es in der Schweiz eigentlich schon Biogas-Anlagen? Die Anlage von Hanspeter Frey befindet sich an einem abgelegenen Feldweg im zürcherischen Lindau und ist seit 2007 in Betrieb. Xaver Webers Hersteller-Firma «_BiogasTec AG» im luzernischen Kleinwangen vertreibt Biogas-Anlagen seit 2006. Doch eine erste Pionierphase habe es bereits in den 80er-Jahren gegeben, erzählt Weber im Interview.
Erneuerbare Energien im Vergleich
Im Unterschied zu anderen erneuerbaren Energien wie Solar- und Windenergie liefern Biogas-Anlagen sogenannte «Bandenergie»: Strom wird rund um die Uhr produziert; das unterstützt die Stabilität des Stromnetzes. Preislich kann sich Strom aus Biogas mit anderen erneuerbaren Energiequellen messen:
Statistik der Woche
Hast du gewusst, dass...?
Interessante Zahlen und Fakten rund ums Thema Biogas-Anlagen in der Schweiz:
Auf dem Land und in der Stadt: Biogas-Produktion überall
Doch Strom sei nur ein Teil der entstandenen Energie, differenziert Nathalie Bachmann, Fachspezialistin für erneuerbare Energien im Bundesamt für Energie (BFE): «Ein anderer Teil ist die produzierte Wärme, und ein weiterer zudem Biomethan, das ins Erdgasnetz eingespeist werden kann». Bei Biogas-Anlagen denken viele zuerst an Landwirtschaft – kein Wunder, denn hier liegt dank Gülle und Mist auch viel Potenzial für Biosubstrate.
Podcast-Folge der Woche
Biogasanlagen leisten mehr als nur Strom
Jeder, der eine Biogas-Anlage baue, rechne im Vorfeld sehr genau, ob es sich rentiert – gerade auch, da die Anlagen sehr arbeitsintensiv seien, sagte Nathalie Bachmann im Podcast. Darüber, ab wie vielen Grossvieheinheiten (GVE) sich eine Anlage für einen Landwirtschaftsbetrieb rechnet, sind sich Bachmann und Weber weitgehend einig: 100 bis 150 GVE sagt die Ingenieurin; 150 bis 200 GVE der Anlagen-Hersteller.
Interview der Woche
«In den nächsten zehn Jahren wird sich der Bestand verdoppeln»
Xaver Weber ist Geschäftsführer und Gründer der BiogasTec AG in Kleinwangen LU. Im Interview erzählt er, wie viel CO2 durch Biogas-Anlagen im Vergleich zu fossilen Energieträgern eingespart wird und wie die Zukunft dieser Technologie in der Schweiz aussehen könnte.
Seit wann wird Biogas in der Schweiz genutzt – und wie hat sich die Nachfrage entwickelt, auch bei Ihnen im Unternehmen?
In den 80er-Jahren gab es eine Pionierphase: Im Rahmen von Pilotprojekten entstanden in der Schweiz erste, sehr rudimentäre, Biogasanlagen. Danach stagnierte die Entwicklung allerdings lange, weil Biogas wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig war. Erst mit der Einführung der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) im Rahmen des Energiegesetzes im Jahr 2009 wurde der Betrieb von Biogasanlagen attraktiv. Dieses staatliche Förderinstrument garantierte Betreibenden eine fixe Vergütung pro Kilowattstunde ins Netz eingespeisten Stroms. [Anm. d. Red.: Damit wollte der Bund den Ausbau erneuerbarer Energien wie Biogas, Photovoltaik, Wind oder Geothermie fördern.] Seither wächst die Zahl der Anlagen kontinuierlich – heute sind es rund 150 in der Schweiz. Unsere Firma BiogasTec AG gibt es nun seit 18 Jahren.
Das Wichtigste in Kürze:
- Die Bevölkerung wächst unaufhaltsam: Pro Jahr um 70 Millionen Menschen weltweit und um 50'000 Personen in der Schweiz.
- Fossile Energieressourcen wie Erdgas, Erdöl und Kohle sind begrenzt – nachhaltige Energiequellen werden immer wichtiger.
- Erste Versuche mit Biogas-Anlagen gab es in der Schweiz in den 80er-Jahren, heute sind landesweit etwa 460 Anlagen in Betrieb.
- Biogas-Anlagen vergären organische Abfälle wie Gülle, Mist oder Rüstabfälle zu einem hochwertigen Gasgemisch, aus dem Strom, Wärme und Kraftstoff produziert werden.
- Strom aus Biogas ist nicht viel teurer als Strom aus anderen erneuerbaren Energien.
- Oft kann sich der Bau einer Biogas-Anlage bereits für Bauernhöfe mit 100 Grossvieheinheiten (z. B. Kühe) rechnen.
- In Städten wird die noch junge Technologie bereits rege genutzt, etwa im Bereich Kläranlagen.
Für den vorliegenden Beitrag wurden folgende Quellen verwendet: