Die folgenden Fragen werden im Artikel beantwortet:
- Was sind Antibiotika?
- Wie wurden sie entdeckt?
- Wie funktionieren sie?
- Was sind Antibiotika-Resistenzen?
- Was geschieht mit der Milch von kranken Kühen?
- Was für Alternativen gibt es zu Antibiotika?
- Wie können wir alle dazu beitragen, den Antibiotika-Einsatz bei Nutztieren zu verringern?
Kaum sinken die Temperaturen, zieht sie sich wieder durch Büros, Wohnungen oder Zugabteile: die Grippesaison. Schweizer Ärztinnen und Ärzte, wie auch Behörden, warnten Ende November: Diesen Winter startet die Welle früher als gewohnt. Mitte November haben bereits 90 Prozent mehr Schweizerinnen und Schweizer wegen Grippe-Symptomen einen Arzt aufgesucht als noch in der Vorwoche.
Jetzt, wo also Husten, Schnupfen, Fieber für viele hierzulande wieder Alltag sind, rückt auch das Thema Antibiotika in den Fokus. Wann sind sie tatsächlich nötig, und wann schaden sie eher? Diese Fragen stellen sich nicht nur Humanmediziner. Auch in der Landwirtschaft spielen die Medikamente zur Behandlung bakterieller Erkrankungen eine grosse Rolle – etwa bei Nutztieren wie Rindern, Schweinen oder Geflügel. Auch hier sollen Antibiotika bakterielle Infekte abwehren, doch ihr Einsatz wirft auch wichtige Fragen auf: Wie wirkt er sich auf die Tiergesundheit, auf die Umwelt und auf uns Menschen aus?
Schlamperei löst medizinische Revolution aus
Vielen dürfte der Mediziner Alexander Fleming noch ein Begriff sein. Nicht, da man ihn persönlich gekannt hätte – der gute Herr ist seit 70 Jahren tot – sondern aus dem Biologie-Unterricht: Der Brite experimentierte im Sommer 1928, wie es Bakteriologen eben so tun, mit Bakterien auf Petrischalen – und entdeckte nach den Sommerferien auf einer nicht richtig gereinigten Schale einen grünen Schimmelpilz, um den herum keine Bakterien wuchsen. Denn der Pilz produzierte eine Substanz, die Bakterien abtötete.
Wenn Bakterien zurückschlagen
Doch wo von «Antibiotika» die Rede ist, ist auch das Thema «Antibiotika-Resistenzen» nicht weit. Was ist damit gemeint? Einfach gesagt: Bakterien entwickeln mit der Zeit Tricks, um Antibiotika unschädlich zu machen. Sie zerstören das Medikament, pumpen es aus ihrer Zelle oder verändern ihre Struktur so, dass das Antibiotikum nicht mehr wirkt. Deshalb ist ein verantwortungsvoller Einsatz von Antibiotika sowohl bei uns Menschen als auch bei Tieren wichtig.
Eine Katze ist kein Rind...
...und ein Hund keine Henne. Die Tiermedizin unterscheidet beim Einsatz von Medikamenten klar zwischen Haus- und Nutztieren. Während Haustiere wie Katzen und Hunde individuell behandelt werden, unterliegt der Antibiotikaeinsatz bei Kühen, Schweinen und anderen Nutztieren strengen Vorschriften. Die Verschreibung, die Abgabe und die Anwendung von Medikamenten sind in der Tierarzneimittelverordnung genau geregelt. Auch detaillierte Kontrollen schreibt diese Verordnung vor.
Die Milch der kranken Kuh wird weggekippt
Zu den strengen Vorschriften gehören auch gesetzlich festgelegte Wartezeiten. Das heisst: Jedes Medikament hat eine definierte Frist, innerhalb derer tierische Produkte nicht in den Handel gelangen dürfen. Im Podcast erklärt Dr. med. vet. Eva-Maria Götz das Vorgehen anschaulich an einem konkreten Beispiel: «Penicillin hat eine Wartefrist von drei Tagen auf Milch. Das bedeutet, dass der Landwirt die Milch der behandelten Kuh während dieser Zeit entsorgen muss, bevor sie wieder verkauft werden darf.» So wird sichergestellt, dass keine Antibiotikarückstände in die Lebensmittelkette gelangen. Zudem ist jeder verabreichte Milliliter Antibiotika genau dokumentiert und rückverfolgbar – von der Anwendung bis zur Indikation.
Podcast-Folge der Woche
Bundes-Strategie gegen resistente Bakterien
In der Podcast-Folge ging Dr. med. vet. Eva-Maria Götz unter anderem auf die nationale Strategie des Bundes gegen Antibiotika-Resistenzen ein. Die «Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR) 2025» soll eine gefährliche Entwicklung eindämmen: Antibiotikaresistente Bakterien, die eine zunehmende Bedrohung darstellen. Der ganzheitliche Ansatz der Strategie berücksichtigt die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt gleichermassen.
«So können wir differenzierter auf das einzelne Tier eingehen»
Doch in der Schweiz sinkt der Einsatz von Antibiotika insgesamt kontinuierlich, sowohl in der Human- als auch der Tiermedizin. Von 2013 bis 2023 hat sich der Einsatz hier sogar mehr als halbiert. Diesem Rückgang verholfen haben etwa bestimmte Impfungen, aber auch alternative Methoden wie der Einsatz von Homöopathie könnten eine Rolle spielen.
Christine Buri aus Ossingen ZH kam erstmals vor rund 20 Jahren mit Homöopathie in Kontakt, als eines ihrer Kinder erkrankte. Das Globuli, welches sie ausprobierte, schlug sofort an, und seither schwört die Landwirtin auch bei ihren Tieren auf den homöopathischen Ansatz. Im Video erklärt sie, dass sie nicht per se gegen Antibiotika ist – doch als Standardlösung möchte sie diese Medizin nicht verwenden.
Video der Woche
Wir alle können zur Reduktion von Antibiotika beitragen
Nicht nur Landwirtinnen und Tierärzte, auch Stadtbewohnerinnen und –bewohner haben durchaus Einfluss auf den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Professor Roger Stephan unterstreicht im Interview die Bedeutung bewusster Kaufentscheidungen: «Wer sich für nachhaltig produzierte tierische Lebensmittel entscheidet, unterstützt bessere Haltungsbedingungen, die es ermöglichen, möglichst wenig kranke Tiere zu haben.» Wer beim Einkauf des Fleisches also den etwas teureren Preis zahlt, investiert dadurch in die Prävention der Tiergesundheit, und das hat Wirkung im Kampf gegen Resistenzen.
Statistik der Woche
Hast du gewusst, dass...?
Interview der Woche
«Der Umgang mit Antibiotika sollte bei Menschen und Tieren nicht unterschiedlich sein»
Roger Stephan ist Professor für Tierärztliche Lebensmittelsicherheit und -hygiene sowie Dekan der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich. Er erforscht, wie sich antibiotikaresistente Bakterien in der Lebensmittelkette verbreiten und welche Risiken sie für Mensch und Tier bergen. Als führender Experte auf diesem Gebiet kann er erklären, wie Resistenzen übertragen werden, welche Massnahmen in der Tierhaltung helfen und was Verbraucher tun können, um sich zu schützen.
Herr Professor Stephan, wie können antibiotikaresistente Bakterien überhaupt vom Tier auf den Menschen übertragen werden? Ist das ein häufiges Problem?
Das ist eine komplexe Frage. Dies kann durch den direkten Kontakt mit Tieren, über die Umwelt, etwa über Fliessgewässer, und bei Nutztieren zudem direkt oder indirekt über die Lebensmittelkette geschehen. Eine generelle Quantifizierung der Häufigkeit eines solchen Übertrages kann man nicht machen. Das müsste man an konkreten Fallbeispielen basierend auf den Hauptübertragungswegen beschreiben. Der Übertrag ist aber durchaus relevant.
Das Wichtigste in Kürze:
- Der Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung ist gesetzlich geregelt.
- Antibiotikaresistenzen sind eine Gefahr für die menschliche Gesundheit.
- Viele Bauern nutzen Alternativen zu Antibiotika, wie etwa Homöopathie.
- Bewusster Konsum kann den Einsatz von Antibiotika reduzieren.