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Familie Richter

Selbstversorgungsgrad: Wie viel CH steckt in unserem Essen?

Diese Woche diskutieren Reinhard, Maria, Isabelle und Noah Richter über den Selbstversorgungsgrad in der Schweiz.

Folgende Fragen werden im Artikel beantwortet: 

  • Zu wie viel Prozent sind wir in der Lebensmittelproduktion unabhängig vom Ausland?

  • Was ist der Unterschied zwischen dem «bereinigten» und dem «unbereinigten» Selbstversorgungsgrad? 
  • Wie «rein» ist der «bereinigte» oder Netto-Selbstversorgungsgrad wirklich? 
  • Wie hat sich diese Kennzahl historisch verändert? 
  • Welche Lebensmittel haben in der Schweiz einen hohen Selbstversorgungsgrad, welche einen niedrigen? 
  • Was geschieht mit der Versorgung der Schweizer Bevölkerung, wenn internationale Lieferketten zusammenbrechen? 

Wir leben in einer globalisierten Welt. Auch die Schweiz ist, je nach Produkt, stark auf Importe aus dem Ausland angewiesen. Doch wie gut kommt unser Land zurecht, wenn internationale Lieferketten wegen geopolitischer Konflikte, Pandemien oder Naturkatastrophen zusammenbrechen? Was passiert, wenn wichtige Handelspartner Sanktionen verhängen, die den Handel einschränken? 

 

Die Versorgung unseres Landes mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen ist in erster Linie Sache der Privatwirtschaft. Doch wenn die Privatwirtschaft dieser Aufgabe in einer ausserordentlichen Situation nicht mehr nachkommen kann, greift der Bund – mit Unterstützung der Kantone – mit gezielten Massnahmen ins Wirtschaftsgeschehen ein.  

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Die Sicherstellung der Versorgung in Krisenzeiten wirft eine wichtige Frage auf: Wie viel Prozent der Lebensmittel, die in der Schweiz konsumiert werden, wurden auch in der Schweiz produziert – zu wie viel Prozent sind wir in der Lebensmittelproduktion also unabhängig vom Ausland? Die Antwort auf diese Frage ist eine Kennzahl namens «Selbstversorgungsgrad». Grundsätzlich bezeichnet der Selbstversorgungsgrad jene Menge an Nahrungsmitteln, die die Schweizer Landwirtschaft produziert, im Verhältnis zum inländischen Verbrauch von Lebensmitteln. Gemessen werden die Mengen in der Einheit Kilokalorien (kcal).  


Brutto- und Nett-Selbstversorgungsgrad: «Jede zweite Mahlzeit ist importiert» 

 

Dabei misst der «unbereinigte» oder «Brutto»-Selbstversorgungsgrad, welchen Anteil der in der Schweiz konsumierten Lebensmittelmenge auch in der Schweiz produziert wurde, ohne die Herkunft der Futtermittel für Nutztiere zu berücksichtigen. Der «Netto»- bzw. «bereinigte» Selbstversorgungsgrad hingegen differenziert im Bereich der tierischen Produktion, indem er die importierte Futtermenge vom Brutto-Selbstversorgungsgrad abzieht.  

 

Die komplette Wahrheit, welchen Anteil die Schweizer Landwirtschaft für die Schweiz produziert, liefere aber auch der Netto-Selbstversorgungsgrad nicht, denn auch bei Dünger, Pflanzenschutzmittel oder Saatgut bestehe eine – teils sehr hohe – Importabhängigkeit, was der Netto-Selbstversorgungsgrad nicht berücksichtige. Dies sagt ETH-Agronom Simon Lanz Ende November 2025 im Podcast «Familie Richter». Lanz leitet am Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) den Fachbereich Agrarpolitik und Strategieentwicklung.  

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Doch wie hoch ist der Selbstversorgungsgrad der Schweiz denn nun? Kurz: Brutto beträgt er momentan 54%, Netto 47%. «Von 100 Kalorien, die in der Schweiz konsumiert werden, wurden also 54 Kalorien auch von der Schweizer Landwirtschaft produziert», erklärt Lanz, wie der Brutto-Selbstversorgungsgrad in der Praxis zu verstehen ist. Und er kritisiert die Berechnungsweise der Lebensmittel in der Einheit Kilokalorien als «etwas zu einseitig. Man müsste auch schauen, welche Nährstoffe denn in den betreffenden Lebensmitteln stecken.» 

 

Du hast noch immer nicht ganz verstanden, wie sich der Selbstversorgungsgrad berechnet? Oder fragst dich, warum es nie möglich sein wird, auf einen Selbstversorgungsgrad von 100 Prozent zukommen? Die Agrotechniker am Strickhof Silvana Roffler und Pascal Ott erklären es Schritt für Schritt in diesem Video – und geben dazu noch eine erste historische Einordung: 

Video der Woche

Die Kennzahl im Lauf der Zeit  

 

Im Schweizer Gesetz steht kein fixer Wert, den der hiesige Selbstversorgungsgrad erreichen muss. Vor dem Ersten Weltkrieg lag der Wert geschätzt bei 66 Prozent und sank dann bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges auf 52 Prozent. 1940 kam der «Plan Wahlen» zum Einsatz, ein Programm zur Förderung des innerschweizerischen Lebensmittelanbaus während des 2. Weltkriegs. Umgangssprachlich wurde der «Plan Wahlen» als «Anbauschlacht» bezeichnet, wie bereits Silvana Roffler im Video oben erwähnt hat.  

 

Obwohl der Selbstversorgungsgrad bis im Jahr 1945 auf 59 Prozent – manche Quellen sprechen sogar von 70 Prozent – stieg, sank die durchschnittliche Kalorienmenge jedoch. Die Anbauschlacht hatte deshalb vor allem eine grosse symbolische Bedeutung. Anfang der 1990er-Jahre betrug die Kennzahl unserer inländischen Ernährungssicherheit brutto noch 62 Prozent, seither sank sie aber stetig 


Der Bundesrat hat sich mit dem Thema unserer Versorgungssicherheit immer wieder auseinandergesetzt und in einem Bericht aus dem Jahr 2022 das Ziel formuliert, bis im Jahr 2050 einen Netto-Selbstversorgungsgrad von 50 Prozent zu erreichen. 

Seit rund 30 Jahren befindet sich die Kennzahl zur Ernährungssicherheit in der Schweiz im Abwärtstrend.

Doch ist die Ernährungssicherheit mit 50 Prozent Selbstversorgungsgrad erreicht? Was sagt diese Kennzahl denn nun wirklich aus? Darauf geht Simon Lanz im Podcast detailliert ein. 

Podcast-Folge der Woche

Grosse Unterschiede je nach Produkt 

 

Wie im Podcast ausgeführt, unterscheidet sich der Selbstversorgungsgrad in der Schweiz je nach konsumierten Produkten teils stark. Bei Reis oder Zitrusfrüchten sind wir fast zu 100 Prozent von Importen abhängig, und auch bei Fisch liege der Selbstversorgungsgrad gerade mal bei 2 Prozent, wie Simon Lanz im Podcast ausführte. Und während der Selbstversorgungsgrad im Pflanzenbau mit durchschnittlich 35 Prozent schon deutlich höher liegt, quillt er bei tierischen Produkten sogar regelrecht über: 

 

Der Durchschnitt betrage hier 95 Prozent, bei Milch- und Käseprodukten aber klar über 100 Prozent. «Mit einem Selbstversorgungsgrad von 113 Prozent ist Käse unser wichtigstes Exportprodukt», so Lanz. Mit 80 bis 90 Prozent liegt der Selbstversorgungsgrad von Schweizer Fleisch etwas tiefer, bei den Eiern sind mit einem Selbstversorgungsgrad von 60 Prozent beinahe die Hälfte aus dem Ausland importiert.  

Statistik der Woche

Hast du gewusst, dass...?

Interessante Zahlen und Fakten zum Selbstversorgungsgrad in der Schweiz.

Anstieg um jeden Preis? Das geschieht aktuell in der Politik 

 

Der Netto-Selbstversorgungsgrad in der Schweiz schwankt aufgrund wechselnder Wetterbedingungen insbesondere in der pflanzlichen Produktion stark. Doch das Wetter ist nicht der Grund, weshalb der Selbstversorgungsgrad seit Jahren im Abwärtstrend liegt: In den letzten 30 Jahren hat auch der Anteil Biodiversitätsförderflächen in der Schweiz stetig zugenommen – wie auch das Wachstum unserer Bevölkerung und damit die Nachfrage nach Lebensmittel sowie der Anteil an Siedlungsflächen. Zwischen 2011 bis 2022 ist der Selbstversorgungsgrad in der Schweiz somit netto um elf Prozentpunkte zurückgegangen. 


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Organisationen wie der Schweizer Bauernverband (SBV), Bio Suisse oder IP Suisse beklagen insbesondere, dass das Schrumpfen der Schweizer Anbauflächen aus Ihrer Sicht die Versorgungssicherheit bei Krisen gefährde. Ihre Forderungen: ein stärkerer Grenzschutz und Massnahmen zum Schutz der Kulturen.  

 

Besorgnis ist auch bei Franziska Herren spürbar, die bereits im Jahr 2021 für schweizweites Aufsehen sorgte, als ihre Trinkwasserinitiative an die Urne kam – und vom Schweizer Stimmvolk mit 60 Prozent abgelehnt wurde. Nun will die vegetarisch lebende Fitnesstrainerin aus Wiedlisbach (BE) erneut die Landwirtschaft grundlegend umkrempeln – und der Bevölkerung Fleisch und Käse vom Tisch streichen. Denn mit der Ernährungsinitiative fordert sie einen Schweizer Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent. Dies will ihre Initiative aber nicht durch eine intensivere Landwirtschaft erreichen, sondern, indem hierzulande deutlich mehr pflanzliche und weniger tierische Lebensmittel produziert werden.  

 

Tatsächlich könnte die Schweiz theoretisch genug Lebensmittel produzieren, um die gesamte Bevölkerung zu ernähren, wie ein Bericht von Agroscope im Auftrag des Bundesamtes für Landesversorgung 2022 schlussfolgerte. Doch dazu müsste mehr direkt verwertbares Essen angebaut werden und kein Tierfutter mehr.  

 

Widerstand aus der Landwirtschaft ist bei Herrens neuer Initiative, über die das Schweizer Stimmvolk voraussichtlich im Herbst 2026 abstimmen wird, vorprogrammiert. «Nein zum Vegan-Zwang!», lautet etwa das Motto der «Allianz gegen die Ernährungsinitiative» des SBVs. Die Konsumfreiheit werde eingeschränkt, die Lebensmittelpreise würden steigen und es werde mehr Einkaufstourismus geben, warnt die Allianz vor einer Annahme der Initiative. 

«Unsere Ernährung hat sich in den letzten fünfzig Jahren extrem gewandelt und ist immer internationaler geworden», sagt die ausgebildete Humangeografin Monika Loddenkemper im zweiten Video, und studiert den Speiseplan eines Zürcher Restaurants. Welche Kompromisse müsste die Schweiz eingehen, würde sie sich komplett selbst versorgen? Diese Frage beantwortet Stefan Mann von Agroscope in der zweiten Hälfte des Videos: 

Zusatz-Video

Kein Garant für Versorgungssicherheit 

 

Ein hoher Selbstversorgungsgrad stärkt die staatliche Resilienz, macht unser Land unabhängiger vom Ausland und kann dazu beitragen, die Ernährungssicherheit zu erhöhen. Doch ein absoluter Garant für Ernährungssicherheit ist diese Kennzahl nicht, zu viele Faktoren spielen mit rein: eine funktionierende Logistik und Lagerhaltung, stabile Preise und Kaufkraft oder eine nachhaltige Produktion, die nicht durch Klimaextreme ausfällt.  

 

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Für die Ernährungssicherheit ist ein hoher Selbstversorgungsgrad kein Garant – und für die hiesige Versorgungssicherheit schon gar nicht. Denn diese umfasst nicht nur Lebensmittel, sondern auch andere lebenswichtige Güter wie Energie oder Medikamente. Eine gute Anbindung an den internationalen Handel, gut organisierte Pflichtlager und eine optimale Krisenplanung sind für die Versorgungssicherheit essenziell.   

 

In Fällen machtpolitischer Bedrohung oder schwerer Mangellage muss der Bund die Schweizer Bevölkerung mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen versorgen können – das regelt Artikel 102 unserer Bundesverfassung 

 

Diesen Auftrag setzt das Landesversorgungsgesetz (LVG) um und stattet dabei den Bundesrat mit weitreichenden Kompetenzen aus. Das Bundesamt für Wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) ist als Verbindungsglied zwischen Staat und Wirtschaft zuständig für die Vorbereitung und Umsetzung von Massnahmen, die die Versorgung im Krisenfall sicherstellen.  

Was passiert, wenn Lieferketten reissen?  

 

Im Interview am Ende dieses Beitrags erklärt Jaakko Havela, Kommunikationsspezialist beim BWL, welche Kategorien das Pflichtwarenlager der Schweiz umfasst und wie die Schweiz im Krisenfall im Bereich Ernährung konkret vorgeht. Havela erinnert sich auch an eine konkrete Situation, in der die Schweiz auf ihre Pflichtlager angewiesen war: «Aufgrund von globalen Lieferproblemen, hohen Energiepreisen und tiefem Rheinwasserstand – der Rhein ist ein zentraler Transportweg – kam es Ende 2021 zu einem Engpass bei Stickstoffdünger. Die Händler konnten nicht ausreichend Dünger beziehen, was die Versorgungskette gefährdete. Daraufhin öffnete der Bund die Pflichtlager, damit Landwirte rechtzeitig säen und düngen konnten und die Ernte im Folgejahr gesichert war.» 

 

Petra Vogel erklärt im Interview als Kantonale Delegierte für Wirtschaftliche Landesversorgung Zürich zudem den Sinn und Zweck eines persönlichen Notvorrats bei sich zu Hause, und was in diesen alles gehört. Wieso braucht es die Wirtschaftliche Landesversorgung auch auf kantonaler Ebene?  «Die Kantone unterstützen den Bund in der Umsetzung von Massnahmen und vor allem in der Kommunikation mit der lokalen Öffentlichkeit», so Vogel.  

Interview der Woche

Was, wenn der Sirenentest kein Test ist?

Petra Vogel, Kantonale Delegierte für Wirtschaftliche Landesversorgung Zürich, erklärt im Interview Sinn und Zweck des persönlichen Notvorrats. Jaakko Havela vom Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung erläutert zudem, wie der Bund im Krisenfall die Versorgung sicherstellt. 

Frau Vogel, warum ist es sinnvoll, zu Hause einen persönlichen Notvorrat zu halten? 

 

Petra Vogel: Nicht nur eine weltweite Pandemie kann das Land lahmlegen. Was, wenn der Strom über längere Zeit ausfällt und die Supermärkte und Tankstellen geschlossen bleiben? Oder wenn Sie das Haus wegen eines Unfalls in einem Chemiebetrieb nicht mehr verlassen können? Auch Naturkatastrophen sind in der Schweiz möglich: Stürme, Hochwasser oder extrem hohe oder tiefe Temperaturen können jederzeit zu einer Notlage und einem Engpass in der Versorgung führen. Mit dem Notvorrat können solche unvorhergesehenen Situationen überbrückt und einige Tage Versorgungsunabhängigkeit sichergestellt werden. Sie vermeiden so auch, bei einer drohenden Mangellage Hamsterkäufe tätigen zu müssen – und können gelassener damit umgehen, wenn mal ein Regal ein paar Tage leer bleibt.  



 

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Was für einen persönlichen Notvorrat empfehlen Sie?  
 

Petra Vogel: Wir empfehlen einen Lebensmittelvorrat für eine Woche und neun Liter Trinkwasser pro Person. Ebenfalls zum Notvorrat gehören ausreichend Hygieneartikel, eine Hausapotheke sowie Gebrauchsgüter wie Taschenlampen, Kerzen und Streichhölzer. Der Lebensmittelvorrat kann und soll auf die persönlichen Vorlieben und Bedürfnisse angepasst werden: Also Lebensmittel kaufen, die man auch im Normalfall gerne isst. So kann der Notvorrat in den Alltag integriert werden und die Chance ist kleiner, dass man am Ende abgelaufene Lebensmittel wegwerfen muss.  

 

Muss man die Produkte für den Notvorrat alle auf einmal kaufen? 
 

Petra Vogel: Nein, die Produkte für den Notvorrat muss man nicht alle auf einmal besorgen. Man kann zum Beispiel beim regelmässigen Einkaufen hin und wieder eine zusätzliche Packung kaufen. Bei Aktionen kann man so sogar etwas Geld sparen. Ein Merkblatt mit den wichtigsten Gütern des Notvorrats findet man auf unserer Webseite. Diese enthält auch Tipps, wie der Notvorrat am einfachsten in den Alltag integriert werden kann, etwa, wie man ohne Strom kocht und wie Lebensmittel am besten gelagert werden.  

 

 

Die Schweiz verfügt über Pflichtlager. Wie lange könnte sich die Schweiz aus eigenen Vorräten versorgen?  

 

Jaakko Havela: Das Schweizer Pflichtlagersortiment umfasst Pflichtlagerwaren in vier Kategorien: Nahrungs- und Futtermittel, Energie, Heilmittel und Industrie. Die erste Kategorie umfasst direkt konsumierbare Nahrungsmittel wie Zucker, Reis oder Speiseöle sowie verarbeitungsbedürftige Produkte wie Brotgetreide. Auch Produktionsmittel wie Dünger gehört zu dieser Kategorie. Je nach Produkt decken die Vorräte den durchschnittlichen Landesbedarf von zwei bis vier Monaten.  

 

Wieso müssen manche Produkte länger reichen (vier Monate) als andere (zwei Monate)? 

  

Jaakko Havela: Wie lange ein Produkt in den Pflichtlagern reichen soll, hängt davon ab, wie schnell es im Notfall wieder beschafft oder hergestellt werden könnte. Bei Waren, die man leicht nachproduzieren oder importieren kann, reichen Vorräte für rund zwei Monate. Bei anderen Produkten, bei denen das länger dauern würde, legt man die Vorräte für bis zu vier Monaten an. Der jeweilige Vorrat wird jeweils beim Entscheid für ein neues Pflichtlager mit der Miliz, also den Expertinnen und Experten, diskutiert und festgelegt. Danach wird die notwendige Menge in regelmässigen Abständen überprüft und erneut besprochen.  

 

 

Wie stellt die Schweiz im Krisenfall die Versorgung sicher, wie plant sie diese genau?  

 

Jaakko Havela: Fachleute aus verschiedenen Wirtschaftszweigen übernehmen in der Wirtschaftlichen Landesversorgung (WL) als Milizionäre nebenberuflich zentrale Aufgaben. So können auch in Krisenzeiten das Wissen und die Strukturen der Privatwirtschaft genutzt werden. In der Miliz der Ernährung – dem WL-Bereich, der die Ernährungssicherheit der Bevölkerung sicherstellt – sind Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Verbänden, Verwaltung und Wissenschaft über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg vertreten. Das BWL koordiniert diese Akteure, bereitet Massnahmen vor und setzt sie in Mangellagen um. Es überwacht zudem die Pflichtlagerhaltung. Zur Sicherstellung lebenswichtiger Güter kann das BWL Angebote erhöhen, etwa durch Lagerfreigaben, Importförderungen oder Exportbeschränkungen. Reichen diese Massnahmen nicht aus, kann das BWL auch die Nachfrage lenken, etwa durch die Rationierung von Nahrungsmitteln oder Treibstoff. Bei lebenswichtigen Dienstleistungen liegt der Fokus auf deren Aufrechterhaltung und Priorisierung.  

  

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Selbstversorgungsgrad ist eine wichtige Kennzahl für die Ernährungs- und Versorgungssicherheit der Schweiz. Sie sagt aus, wie viel Prozent der Lebensmittel, die wir in der Schweiz konsumieren, auch in der Schweiz produziert wurde. 
  • Der Brutto-Selbstversorgungsgrad beträgt derzeit 54% – netto beträgt die Kennzahl 47%.  
  • Der Netto-Selbstversorgungsgrad differenziert im Bereich der tierischen Produktion: Die importierte Futtermenge wird vom Brutto-Selbstversorgungsgrad subtrahiert. 
  • Im Laufe der letzten 30 Jahre ist der Selbstversorgungsgrad stetig gesunken.  
  • Wenn Lieferketten reissen, kann das Bundesamt für Wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) die Pflichtlager des Bundes öffnen und die Bevölkerung für eine gewisse Zeit weiterhin versorgen.  

Für den vorliegenden Beitrag wurden folgende Quellen verwendet:
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BWL 

«Von Notstand und Wohlstand – Die Basler Lebensmittelversorgung im Krieg, 1914-1918»; Maria Meier, 2016 

Besonders wichtig für die Schweizer Ernährungssicherheit: Die Zuckerrübe! Hier der ganze Artikel zur Königin der Felder:

Süss, stark und königlich unterschätzt: Die Zuckerrübe
Familie Richter – Hauptartikel
25. 11. 2025
Die folgenden Fragen werden im Beitrag beantwortet: Sind Zuckerrüben essbar?Wie holt man den Zucker aus den Rüben?Wieso ist Zucker lebensnotwendig?
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