Roboter im Vormarsch – aber es hat noch Luft nach oben
In der Popkultur haben Roboter oft einen menschlichen Look - siehe «Terminator» oder «Star Wars» mit den zwar mechanischen, aber fast schon knuffigen R2-D2 und BB-8. In der Realität im Allgemeinen und in der Landwirtschaft im Besonderen staksen und quietschen Roboter jedoch ungelenk über Gemüsefelder (Jätroboter) oder sehen aus wie ein überdimensioniertes Laufgitter (Melkroboter). Roboter in der Landwirtschaft; Fluch oder Segen? Optimierung oder Firlefanz?
Zwei Techniker wuseln eifrig um den Jätroboter – ein blaues Metallungetüm, das von der Seite wie ein zusammengedrückter Kleinwagen und von oben wie ein Vierbeiner mit ausgespreizten Rädern aussieht. „Kannst du bitte die Kamera nochmals ausrichten?“, fragt der eine und der andere greift mit einer Faust in das Gestänge. Kamera? Der Roboter enthält eine RGB-Farb-Kamera, welche Unkraut erkennt und mit Laser den Garaus macht. Endlich steht die Maschine am Anfang des Feldes und ist bereit für den Einsatz. Die Techniker steuern das Gerät mit Fernbedienung und sind zufrieden, als der Roboter zwar etwas ungelenk, aber zielsicher losruckelt. Wer jetzt noch nah heranwill, trägt eine Schutzmaske vor dem Laser, der still – und nicht pfeifend oder zischend wie im Film – seine Arbeit verrichtet.
Alle wollen Ökologie – und jäten tun Ausländer
Der Thurgauer Bauer Patrick Wälchli hat einen solchen Caterra-Jäter im Einsatz und versteht sich als Sparring-Partner des jungen Start-ups: «Ganz ohne Mensch funktioniert es noch nicht, die Kamera hat auch das Unkraut nicht immer erkannt, so muss die Software stets angepasst werden. Aber Wälchli ist zufrieden, «weil ich sehe, dass es funktionieren kann.» Die Zukunft des Jätens liegt – zumindest in der Biolandwirtschaft – in der Robotik, denn diese ersetzt das mühselige händische Jäten, wofür es sowieso immer schwieriger wird, genügend motiviertes Personal zu finden. Das Problem kennt auch der Marthaler Biobauer Martin Jost: «Alle wollen Ökologie, aber die strengen Arbeiten machen dann die Ausländer.»
Jost hat als einer der ersten und bislang noch wenigen Landwirten in der Schweiz einen Farmdroiden im Einsatz – ein Jätroboter 2.0 sozusagen. Ein Farmdroid sät verschiedene Kulturen und führt nach der Aussaat eine präzise Unkrautbekämpfung durch. Die Maschine sieht zwar gross und wuchtig aus, ist aber mit 900 Kilo ein Leichtgewicht unter den Landmaschinen und erst noch ungefährlich. «Der Farmdroid stoppt automatisch, wenn er Gefahr erkennt und ruft den Menschen», so Jost.
«Der Roboter erkennt Hindernisse, wenn diese bei der Felderfassung „programmiert“ habe.» Das Sicherheitssystem des Roboters könne nicht-programmierte Hindernisse dann erkennen, wenn diese nicht höher als 40cm sind. «Ebenso realisiert der Farmdroid, wenn er die Feldgrenze verlässt und stoppt».
Ist eines seiner Werkzeuge blockiert, versucht der Farmdroid das Problem selber zu lösen. Wickelt sich jedoch Unkraut um eines seiner Hackwerzeuge, merkt das der Roboter erst dann, wenn er einen erhöhten Energieverbrauch feststellt. So kann es schon mal dazu kommen, dass Rüben vernichtet werden.
Verbesserte Lebensqualität dank Robotern
Der beliebteste Robotertyp in der Schweizer Landwirtschaft ist der Melkroboter, von dem rund 3'000 in Betrieb sind. Und zwar «auf 25'000 Milchviehbetrieben, von welchen viele auch Mistroboter oder automatische Entmistungssysteme haben», schreibt uns Agroscope – das Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung in der Schweiz. Und weiter: «Automatische Kraftfutterstation mit Transponder Detektion dürften auf 80-90 Prozent der Milchviehbetriebe im Einsatz stehen.»
Viele Erfahrungen mit Melk- und auch Mistrobotern hat Bettina Hübscher, Bäuerin aus Illnau, wo sie mit ihrem Mann im Ortsteil Mesikon den Quellhof betreibt. «Unsere Lebensqualität hat sich durch die Einführung der Robotik auf dem Hof verbessert», sagt sie. «Wir sparen Zeit, unsere Tiere sind sehr ausgeglichen». Wer das Thema googelt, stösst schnell auf banale Standardsätze wie «die Einführung von Robotern reduziert den Aufwand der Landwirte signifikant.» Einverstanden, Bettina Hübscher? «In der Summe ist die Reduktion dann doch etwas tiefer, denn mit Robotern auf dem Hof ist man immer Standby. Die flexiblere Einteilung der Arbeit ist aber eine Erleichterung, weil man nicht mehr an fixe Melkzeiten gebunden ist.” Passiere zum Beispiel mitten in der Nacht etwas, löse das einen Alarm aus. Unter dem Strich habe sich die Anschaffung gelohnt, so die Bäuerin.
Das Roboter-Potential ist gross
Das sieht auch Patrick Wälchli so, der Sparring-Partner des Jätroboters von Caterra: «Wir sind in einem Prozess und lernen mit ihm umzugehen. An den Optimierungsabläufen müssen wir noch arbeiten.» Die Techniker haben auf seinem Feld unterdessen die Kamera fertig justiert und schicken den Roboter auf einen Probelauf. Da beginnt es zu regnen. Kein Problem sagt Erfinder Aurel Neff: «Der Roboter ist immer motiviert und arbeitet bei jedem Wetter», lacht er und hält eine Hand in den Regen.
Das Roboter-Potential in der Schweizer Landwirtschaft gross. Während automatische Lenksysteme auf Neutraktoren unterdessen fast schon Standard sind, wird die teilflächenspezifische Düngung erst auf einzelnen Betrieben umgesetzt. Laut Agroscope sind «Ackerschlagkarteien oder Farm Management Informationssysteme auf rund der Hälfte der Betriebe im Einsatz.»
→ Faustregel: ein Roboter ist eine technische Apparatur, die dazu dient, dem Menschen häufig wiederkehrende oder gefährliche mechanische Arbeiten abzunehmen. Roboter können sowohl ortsfeste als auch mobile Maschinen sein und werden in der Regel durch Computerprogramme gesteuert.