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Verordnungspaket 2026

Weniger Bürokratie – Versprechen gebrochen?

Seit Jahren kämpfen Schweizer Landwirtinnen und Landwirte mit zunehmender Bürokratie. Bild: pixabay
Steffen Hagenbucher

Viele Bauern kämpfen täglich mit wachsender Bürokratie. Seit Jahren verspricht die Schweizer Politik Entlastung – doch in der Praxis spüren Betriebe kaum etwas davon. Der grosse Wurf zur Vereinfachung fehlt auch im Verordnungspaket 2026, das nun in der Vernehmlassung liegt. 

Es ist eines der grössten Probleme in der Landwirtschaft: Der administrative Aufwand nimmt ständig zu. Immer mehr Formulare, immer kompliziertere Vorschriften und immer mehr Zeit im Büro statt auf dem Feld. Auch die Politik der Schweiz hat dieses Problem mittlerweile anerkannt und ist sich einig: Es braucht dringend Vereinfachungen. Doch obwohl viel darüber gesprochen wird, hat sich in den letzten Jahren wenig verbessert. Im Gegenteil: Verordnungen wie etwa die Direktzahlungsverordnung (DZV) oder Vorschriften wie jene der Label-Produktion – also der landwirtschaftlichen Produktion nach bestimmten Qualitäts- oder Nachhaltigkeitslabels – werden laufend umfangreicher.  

Verordnungspaket 2026 – kleine Schritte statt grosser Reform

Vor diesem Hintergrund geht nun das sogenannte «Verordnungspaket Landwirtschaft 2026» in die Vernehmlassung. Das Paket soll konkret aufzeigen, wie das Bundesamt für Landwirtschaft BLW die Bürokratie für Landwirtschaftsbetriebe erleichtern will. Die gute Nachricht: Es gibt tatsächlich Vereinfachungen. Die weniger gute Nachricht: Diese Erleichterungen fallen sehr klein aus und betreffen nur wenige Betriebe.  

Was für Änderungen sind konkret geplant?  Der weitreichendste Vorschlag im Verordnungspaket: vorgeschriebene Bodenuntersuchungen fallen neu weg – das erspart allen Betrieben Aufwand, doch der Effekt bleibt eher klein, denn die Bodenuntersuchungen werden sowieso nur alle paar Jahre gemacht und sind damit nur ein kleiner Baustein der vielen administrativen Aufgaben der Bauern. Ausserdem finden es viele Betriebe wichtig, die Nährstoffqualität ihrer Böden zu kennen, und werden deshalb freiwillig weiterhin Bodenproben nehmen und einschicken 

Weiter schlägt das Verordnungspaket vor, die Biodiversitätsförderflächen (BFF) auf Ackerland zusammenzulegen: Aus drei Kategorien wird eine einzige. Das klingt gut, betrifft aber nur eine kleine Minderheit an Betrieben, denn Acker-BFF sind für viele Betriebe nur begrenzt attraktiv und deshalb ohnehin wenig verbreitet.  

Durch diese beiden Änderungen wird die DZV kürzer – doch wie relevant sind diese Änderungen für die Praxis tatsächlich? Die Zusammenlegung der BFF betrifft nur wenige Betriebe und der Wegfall der Bodenuntersuchungen – für alle Betriebe von Vorteil – ist nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Mit diesem Wegfall ist also keine spürbare administrative Entlastung im Alltag der Bäuerinnen und Bauern verbunden.  

Agrarpolitik 2030: Viel angekündigt, wenig spürbar

Auch die «Agrarpolitik 2030+» (AP30+) – die geplante Neuausrichtung der Schweizer Agrar- und Ernährungspolitik ab etwa 2030 – verspricht grosse Vereinfachungen. Geplant sind etwa weniger Datenerfassung und einfachere Prozesse. Doch auch hier sucht man echte Vereinfachungen vergebens: Auch wenn einzelne Angaben und Kennzahlen wegfallen, bleibt die Gesamtbelastung für die Betriebe fast gleich hoch. Von einer strukturellen Vereinfachung oder einer spürbaren Reduktion der Komplexität kann deshalb auch im Rahmen der AP 2030 nicht gesprochen werden.  

Die administrative Vereinfachung für Bäuerinnen und Bauern existiert im Moment vor allem auf dem Papier. Die Politik betont ihre Bemühungen, doch die tatsächlichen Änderungen bleiben minimal. Die grossen Änderungen werden nicht angegangen, gedreht wird nur an kleinen Stellschrauben. Am Ende bleibt der Eindruck: Das sind alles schön klingende Versprechen, aber in Wahrheit ein kommunikatives Luftschloss ohne echte Entlastung für die Landwirtschaft.

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