Umwelt
Die Frühlingsboten

Mehlschwalben − kleine Vögel mit grosser Wirkung

Klein, aber oho: Die Mehlschwalbe (Delichon urbicum). Bild: pixabay

Kaum ein Vogel gehört so sehr zum Frühling auf unseren Höfen wie die Mehlschwalbe. Doch wer genauer hinschaut, merkt: Geeignete Nistplätze werden seltener – und die Schwalben sind zunehmend auf unsere Unterstützung angewiesen.

Flurina Zahn, ZBV Umwelt

Die Mehlschwalbe legt auf dem Weg in ihre Winterquartiere in West-, Zentral- und teilweise sogar Südafrika bis zu 15 000 Kilometer zurück – eine beachtliche Leistung für einen Vogel von kaum 13 cm Körperlänge und weniger als 21 Gramm Gewicht. Sie ist leicht an ihrem glänzend dunkelblauen Rücken, der weissen Unterseite und dem kurzen, gegabelten Schwanz zu erkennen.

Mehlschwalben ernähren sich vor allem von kleinen Fluginsekten wie Fliegen, Mücken, Blattläusen und gelegentlich auch Käfern. Meist jagen sie im freien Luftraum bis etwa 50 Meter Höhe, wo sie schwärmende Insekten in grosser Zahl erbeuten.

Brutplätze an Haus und Hof

Typisch sind die halbkugelförmigen Nester aus Lehm, die Mehlschwalben unter Dachvorsprüngen an Fassaden bauen. Im Gegensatz zur Rauchschwalbe sind diese Nester bis auf ein kleines Einschlupfloch geschlossen. Als Koloniebrüter nisten Mehlschwalben oft in Gruppen, meist an Gebäuden, gelegentlich aber auch an Felswänden.

Pro Jahr können sie bis zu zwei Bruten aufziehen, mit jeweils zwei bis sechs Jungvögeln. Während dieser Zeit sind sie besonders aktive Insektenjäger. Die meisten Kolonien bestehen aus zwei bis zehn Nestern, grössere Ansammlungen mit mehreren hundert Nestern sind jedoch ebenfalls möglich. Einmal besetzte Brutplätze werden oft über Jahre hinweg wieder genutzt, auch wenn nur etwa die Hälfte der Altvögel das nächste Jahr erlebt.

Vertraute Nistplätze verschwinden

Schlechtwetterperioden während der Brutzeit, auf dem Zug oder im Winterquartier können die Bestände kurzfristig stark beeinflussen. Entscheidend für die langfristige Entwicklung ist jedoch vor allem der Verlust geeigneter Nistplätze. Insbesondere in den 1990er Jahren gingen diese und somit die Bestände deutlich zurück. Gründe dafür lagen unter anderem in der modernen Bauweise ohne Dachvorsprünge sowie in der abnehmenden Toleranz gegenüber Nestern an Gebäuden. Leider wurden zu dieser Zeit vielerorts Nester zerstört. Heute erholt sich die Mehlschwalbe nur langsam und gilt in der Schweiz als nahezu bedroht sowie als Prioritätsart der Artenförderung. Heute sind alle Schwalbenarten und ihre Nester gesetzlich geschützt und dürfen nicht entfernt werden.

Mit einfachen Massnahmen helfen

Für ihren Erfolg ist die Mehlschwalbe auf geeignete Nistplätze und ein ausreichendes Nahrungsangebot angewiesen. Sie profitiert von strukturreichen Landschaften mit Blumenwiesen, Bäumen, Sträuchern oder begrünten Flächen. Für den Nestbau braucht sie zudem feuchte, lehmige Bodenstellen, etwa in Fahrspuren oder an Gewässerrändern.

Zusätzliche Unterstützung bieten künstliche Nisthilfen, die gezielt an Gebäuden angebracht werden können. Auch beim plan.b können Sie solche Nisthilfen bestellen.

Wer Schwalben fördert, stärkt nicht nur die Artenvielfalt, sondern profitiert auch direkt: Mehlschwalben sind unermüdliche Insektenjäger und leisten einen wertvollen Beitrag zur natürlichen Regulierung von Schädlingen auf dem Betrieb.

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