Verschiedenes Landfrauen
Interview mit Manuela Bamert

Ich bin überzeugt: Man lernt nie aus

Manuela Bamert ist seit 2025 Leiterin des Bereichs Bäuerinnen am Strickhof. Bild: ZLV
Manuela Bamert hat im Sommer 2025 am Strickhof die Bereichsleitung Bäuerin/Bäuerlicher Haushaltleiter übernommen. Die Landfrauen-Seite hat ihr einige Fragen gestellt.
Interview Charlotte Krebs, ZBV

Sie sind für die Ausbildung Bäuerin/Bäuerlicher Haushaltleiter am Strickhof verantwortlich. Wer sind Sie?

Ich bin jemand, der offen auf Neues zugeht, gerne reflektiert und immer versucht, das Beste aus sich herauszuholen – auch wenn nicht immer alles perfekt läuft.

In meinem Pass steht Manuela Bamert-Stillhart, wohnhaft in Mühlrüti. Gemeinsam mit meinem Mann und unseren vier Kindern im Teenageralter lebe ich in einem gemütlichen Einfamilienhaus mit einem grossen Garten, der durch verschiedene Kleintiere belebt wird.

Neben meiner Tätigkeit am Strickhof bin ich als Hausfrau und Mutter stark eingebunden und unterstütze meinen Mann, wo immer möglich, in seinem Geschäft. Mein Alltag ist abwechslungsreich, über Langeweile kann ich mich nicht beklagen. In meiner Freizeit geniesse ich besonders die Arbeit im Garten, ein gutes Buch oder gemeinsame Ausflüge mit der Familie.

Nach meiner Ausbildung zur Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerin begann ich meine berufliche Laufbahn im Kanton Glarus. Der Liebe wegen zog es mich später zurück in den Kanton St. Gallen. Über mehr als 20 Jahre hinweg unterrichtete ich in der Primar- und Oberstufe im Kanton Thurgau und erlebte dabei zahlreiche Entwicklungen und Veränderungen im Bildungssystem.

Parallel dazu konnte ich in Salez erste Erfahrungen in der Ausbildung von angehenden Bäuerinnen sammeln, wo ich die ersten beiden Module unterrichtete. Mit der Zeit kamen weitere Unterrichtstätigkeiten am Arenenberg hinzu. Seit September 2021 unterrichte ich mit einem grösseren Pensum am Strickhof und habe mich entschieden, meine beruflichen Kräfte dort zu bündeln.

Zusätzlich engagiere ich mich seit einigen Jahren in der Fachgruppe Bäuerin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands (SBLV). Dabei gebe ich mein Wissen auch in Vorbereitungskursen zur Berufsprüfung Bäuerin weiter. Eine weitere bereichernde Aufgabe ist meine Tätigkeit als Expertin bei den Fachausweisprüfungen.

Sind Sie auch im Schulzimmer anzutreffen?

Ja, ich bin regelmässig in der Schulküche in Wülflingen anzutreffen – ein Ort, der mir sehr ans Herz gewachsen ist. Ich hätte mir nicht vorstellen können, das Unterrichten wegen meiner neuen Aufgabe aufgeben zu müssen. 

Seit mittlerweile 30 Jahren stehe ich vor Lernenden unterschiedlichster Altersstufen. Diese Begegnungen bereichern mich bis heute – fachlich, aber vor allem auch menschlich.

Besonders am Unterricht mit Erwachsenen schätze ich den offenen, gegenseitigen Austausch. Es fasziniert mich immer wieder, Einblicke in andere Berufswelten zu erhalten und selbst Neues dazuzulernen. Genau das macht für mich den Reiz aus – denn ich bin überzeugt: Man lernt nie aus.

Was sind Ihre Ziele, die Sie in Ihrer neuen Funktion erreichen möchten?

Das zentrale Anliegen aller am Lehrgang beteiligten Personen ist es, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine unvergessliche und bereichernde Zeit am Strickhof zu ermöglichen. Dabei legen wir grossen Wert darauf, die vorgegebenen Inhalte und Module abwechslungsreich, zeitgemäss und zielgruppengerecht zu vermitteln.

Während der Ausbildungsdauer – sei es über zwei Jahre oder in komprimierter Form über fünf Monate – entstehen nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch wertvolle Beziehungen. Oft entwickeln sich Freundschaften, die weit über die Lehrgangszeit hinaus Bestand haben. Neben dem Lernen steht insbesondere der persönliche Austausch im Vordergrund: Gespräche über Familie, Beruf und den eigenen Betrieb prägen die gemeinsame Zeit ebenso wie das gemeinsame Erleben.

Dafür braucht es Raum – Raum zum Geniessen, Lachen, Diskutieren und zur persönlichen Weiterentwicklung. Es ist mir ein besonderes Anliegen, im Rahmen der organisatorischen Möglichkeiten genau diesen Raum zu schaffen und zu fördern.

Dies setzt voraus, dass wir unsere Arbeit regelmässig reflektieren: Nach jedem Schuljahr gilt es, kritisch zu hinterfragen, auszuwerten, Bewährtes beizubehalten und gezielt Verbesserungen umzusetzen. Denn die Anforderungen verändern sich stetig. Auch neue Entwicklungen – wie beispielsweise der Einsatz von künstlicher Intelligenz im Bildungsbereich – machen vor dem Schulzimmer nicht Halt.

Nur wer offen für Neues bleibt, innovativ denkt und bereit ist, Veränderungen aktiv anzugehen, kann in einer schnelllebigen Zeit bestehen. Gleichzeitig ist es wichtig, an grundlegenden Werten und gewachsenen Traditionen festzuhalten. Sie geben Orientierung, schaffen Identität und machen jede Institution einzigartig.

Die Chance, die sich durch die vereinfachte Zusammenarbeit innerhalb der höheren Bildung am Strickhof ergibt, möchte ich künftig noch bewusster und aktiver nutzen. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam mehr erreichen können, wenn wir unser Wissen, unsere Erfahrungen und unsere Ressourcen stärker bündeln.

Mir ist es ein Anliegen, diese Zusammenarbeit gezielt zu fördern und weiter auszubauen – nicht nur auf organisatorischer Ebene, sondern auch im täglichen Austausch. Durch ein offenes Miteinander und kurze Wege können wir voneinander profitieren und unsere Angebote noch besser aufeinander abstimmen.

So möchte ich Schritt für Schritt ein solides Fundament legen, das uns Sicherheit und Orientierung gibt – insbesondere im Hinblick auf die kommenden Veränderungen. Die anstehende Revision bringt neue Strukturen mit sich, und ich sehe darin vor allem eine Chance, Bestehendes zu stärken und sinnvoll weiterzuentwickeln.

Wenn wir frühzeitig zusammenarbeiten, gemeinsam denken und handeln, können wir diese Veränderungen aktiv mitgestalten und gut vorbereitet in die neue Struktur starten.

Die Bildung generell ist stark im Wandel. Wie könnte sich die Ausbildung zur Bäuerin in den nächsten Jahren verändern?

Aufgrund der laufenden Revision der höheren Berufsbildung, zu der auch die Ausbildung zur Bäuerin bzw. zum bäuerlichen Haushaltleiter gehört, sind deutliche Veränderungen zu erwarten. Wie diese im Detail aussehen werden, befindet sich derzeit noch in der Ausarbeitung. 

Alle Beteiligten arbeiten engagiert daran, eine zukunftsorientierte und breit abgestützte Weiterbildung zu entwickeln, die den Anforderungen der Praxis ebenso gerecht wird wie den zukünftigen Entwicklungen in der Landwirtschaft und im ländlichen Haushalt.

In einem ersten Schritt wurden bereits die berufsübergreifenden sowie die berufsspezifischen Handlungskompetenzen definiert. Berufsübergreifend bedeutet, dass zukünftig alle fünf Berufe einen Teil der Ausbildung in gemeinsamen Modulen absolvieren werden. Als nächste Schritte stehen das Prüfungsdesign sowie die Erarbeitung der Prüfungsordnung auf dem Programm, bevor es an die Erarbeitung der einzelnen Module geht.

Der gesamte Prozess ist dynamisch und mit zahlreichen offenen Fragestellungen verbunden, die es noch zu klären gilt. Umso spannender bleibt die Entwicklung: Es darf mit Interesse verfolgt werden, wie sich die Ausbildung zur Bäuerin bzw. zum bäuerlichen Haushaltleiter ab dem Jahr 2029 präsentieren wird.

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