Vor über acht Jahren hatte der Zürcher Bauernverband eine Idee. Keine Revolution, keine staatliche Zwangsmassnahme, keine Kontingentierung – einfach eine pragmatische Selbsthilfelösung aus Produzentenhand für schwierige Zeiten im Milchmarkt.
Die Idee war einfach und fair. In Phasen von Übermengen sollte die Milchmenge zeitlich begrenzt gesteuert werden können. Nicht bürokratisch, nicht dauerhaft, sondern gezielt.
Doch bis heute erleben wir dasselbe Spiel. Wenn die Schweizer Milchproduzenten (SMP) zum Wenigerproduzieren aufruft, reagieren nur wenige. Diese wenigen verzichten, reduzieren, handeln im Sinne des Gesamtmarktes – und stehen am Ende als Verlierer da. Andere produzieren sogar mehr, der Markt bleibt unter Druck, der Milchpreis sinkt, die Loyalen bezahlen die Zeche.
Genau hier hätte das damalige Instrument geholfen: Ein System, in dem der eine mehr, der andere weniger produziert, aber beide profitieren. Eine kurze, klar definierte Phase mit einem kleinen Abzug auf jedem in Verkehr gebrachtem Kilogramm Milch würde Mittel in eine Produzentenkasse fliessen lassen. Wer Verantwortung übernimmt und im Vergleich zu einem Referenzwert weniger produziert, wird aus dieser Kasse fair entschädigt. Wer mehr liefern will, profitiert von einem stabileren Markt. Alle gewinnen.
Doch ein solches Instrument muss in bäuerlicher Hand bleiben. Nicht alle Akteure der Milchbranche teilen dasselbe Interesse. Für uns Produzenten ist ein ausgeglichener Milchmarkt kein theoretisches Konzept – er ist existenziell.
Vor acht Jahren gingen wir mit unserer Idee von Pontius zu Pilatus. Notwendigkeit wurde infrage gestellt, Aufwand für die Umsetzung gescheut, Entscheidungen vertagt. Auch die SMP hielt das System für unnötig. Heute, acht Jahre später, hört man überall denselben Satz: Wir brauchen dringend eine Mengensteuerung. Hätten wir damals gehandelt, stünden wir heute besser da. Jetzt ist es zu spät für die aktuelle Krise – aber nicht für die nächste.
Es ist Zeit zu handeln. Wenn nicht jetzt – wann dann?