Die Lage auf dem Schweizer Milchmarkt ist angespannt. Zwar gibt es international vereinzelt positive Signale, doch bei vielen Milchbauern in der Schweiz kommt davon bisher wenig an. Die Preise bleiben tief, während Kosten für Futter, Energie und Betrieb weiterlaufen.
Für zahlreiche Milchproduzenten wird die Situation zunehmend schwierig. Viele Betriebe verfügen nur über begrenzte finanzielle Reserven. Wenn die Einnahmen sinken, geraten sie schnell unter Druck. Entsprechend gross ist die Verunsicherung in der Branche. Kritik richtet sich dabei vor allem an die Schweizer Milchproduzenten (SMP), die wichtigste Branchenorganisation der Milchbauern. Einige Landwirte werfen ihr vor, in der aktuellen Situation zu wenig aktiv zu sein.
Schwieriger Markt für Milch
Der Milchmarkt funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Wenn zu viel Milch produziert wird, sinken die Preise. Wenn die Menge sinkt, können sich die Preise wieder erholen. Zurzeit wird jedoch viel Milch produziert. Gleichzeitig ist die Nachfrage teilweise schwächer – etwa weil der Export von Schweizer Käse schwieriger geworden ist oder weil ausländische Produkte Konkurrenz machen. Das setzt die Preise zusätzlich unter Druck.
Einige Stimmen in der Branche wünschen sich deshalb eine bessere Steuerung der Milchmenge. Dabei geht es nicht um staatliche Produktionsquoten wie früher, sondern um freiwillige Instrumente innerhalb der Branche.
Ein Vorschlag aus der Produktion
Ein möglicher Ansatz liegt laut Kritikern schon seit Jahren auf dem Tisch. Bereits vor acht Jahren wurde innerhalb einer Arbeitsgruppe von Milchproduzenten ein Vorschlag erarbeitet. Beteiligt war unter anderem der Zürcher Landwirt Andreas Buri aus Ossingen.
Kern der Idee ist ein sogenannter Milchstützungsfonds. Ein Fonds ist vereinfacht gesagt ein gemeinsamer Geldtopf. Dieser würde von allen Milchproduzenten gespeist – genauer gesagt über einen kleinen Beitrag pro Kilogramm Milch, das in den Markt gelangt.
Damit ein solcher Beitrag verpflichtend erhoben werden kann, braucht es eine sogenannte Allgemeinverbindlichkeit. Das bedeutet: Eine Branchenorganisation kann beim Bundesrat beantragen, dass eine Regel für alle Produzenten gilt – nicht nur für ihre Mitglieder.
Fokus auf die Gesamtmenge Milch
In einem zweiten Schritt würde nicht mehr zwischen verschiedenen Milcharten unterschieden. In der Schweiz gibt es zahlreiche Kategorien, etwa:
- Käsereimilch, die direkt für Käse verwendet wird
- Industriemilch, die zu Butter, Pulver oder anderen Produkten verarbeitet wird
- Biomilch oder konventionelle Milch nach dem ÖLN-Standard (Ökologischer Leistungsnachweis – ein Mindeststandard für umweltgerechte Landwirtschaft)
- Milch von Kühen, die mit Silofutter gefüttert werden, und solche aus silofreier Produktion, die etwa für bestimmte Käsesorten wichtig ist.
Der vorgeschlagene Mechanismus würde diese Unterschiede ausblenden. Entscheidend wäre nur eine Zahl: die gesamte Milchmenge, die in der Schweiz produziert wird.
Weniger produzieren – gegen Entschädigung
Wenn sich eine Marktkrise abzeichnet, könnte ein spezielles Gremium zeitlich begrenzte Massnahmen beschliessen. Ziel wäre es, die Milchmenge vorübergehend zu senken, damit sich der Markt stabilisieren kann. Der Clou: Die Teilnahme wäre freiwillig.
Landwirte, die ihre Produktion im Vergleich zu einem vorher festgelegten Referenzwert reduzieren, würden dafür entschädigt – etwa mit 20 bis 30 Rappen pro Kilogramm Milch, das sie weniger liefern.
Dieses System würde einen finanziellen Anreiz schaffen: Wer weniger produziert, erhält eine Entschädigung. Wer weiterhin gleich viel oder mehr produziert, profitiert indirekt von stabileren Preisen, weil das Gesamtangebot sinkt.
Kritik am aktuellen Vorgehen
Die Kritiker bemängeln, dass eine solche Lösung bisher nicht umgesetzt wurde. Ihrer Meinung nach hätte das System bereits im vergangenen Herbst eingesetzt werden können – und die aktuelle Krise möglicherweise abgeschwächt.
Stattdessen beschränke sich die Branchenorganisation derzeit vor allem auf Appelle, weniger Milch zu produzieren. Solche Aufrufe seien jedoch problematisch: Wenn nur wenige Produzenten ihre Mengen reduzieren, tragen sie die Kosten – während andere weiterhin mehr produzieren. Das Ergebnis: Der Markt bleibt unter Druck und die Preise sinken weiter.
Blick nach vorne
Für die aktuelle Krise komme eine solche Lösung möglicherweise zu spät, sagen die Kritiker. Dennoch sehen sie darin ein mögliches Instrument für die Zukunft. Denn Schwankungen im Milchmarkt wird es immer geben. Umso wichtiger sei es, dass die Branche rechtzeitig Mechanismen entwickelt, um rasch reagieren zu können.
Die zentrale Frage bleibt deshalb: Wie kann die Milchproduktion so gesteuert werden, dass Preise stabil bleiben und Bauernbetriebe langfristig überleben können?