Umwelt
Fledermäuse im Winter

Schlafen, bis der Frühling kommt

Fledermäuse wie hier ein Grosses Mausohr (Myotis myotis) halten in unseren Breiten aktuell einen Winterschlaf. Bild: © ceBilArt, Ch. Ehrat
Im Sommer sieht man sie zu den Abendstunden immer mal wieder durch den Himmel huschen. Doch wie verbringen Fledermäuse eigentlich die Wintermonate? Wir geben einen Einblick in die Vielfalt der Fledermäuse und ihren erstaunlichen Lebenszyklus.
Flurina Zahn, ZBV Umwelt

Fledermäuse gehören zu den faszinierendsten und zugleich wenig verstandenen Säugetieren unserer heimischen Tierwelt. Die Artengruppe zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Vielfalt aus. So erreicht die grösste in der Schweiz vorkommende Fledermaus, der seltene Riesenabendsegler, eine Körperlänge von bis zu 10 cm, während die kleinste einheimische Art lediglich etwa 4 cm misst und nur 3–6 g wiegt. Trotz ihrer geringen Körpergrösse können Fledermäuse ein erstaunlich hohes Alter von über 40 Jahren erreichen. Diese hohe Lebenserwartung kompensiert ihre geringe Fortpflanzungsrate, da die meisten Arten pro Jahr nur ein Jungtier zur Welt bringen.

Schlafend durch den Winter

Fledermäuse verbringen etwa die Hälfte des Jahres – von November bis März – im Winterschlaf. Um mehrere Monate ohne Nahrung auszukommen, legen sie zuvor Fettreserven an und nehmen dabei rund 20–30 % an Körpergewicht zu. Während ihre Herzfrequenz im Flug über 1000 Schläge pro Minute erreichen kann, sinkt sie im Winterschlaf auf unter zwölf. Auch die Atmung verlangsamt sich auf etwa zwei Atemzüge pro Stunde. Dank der reduzierten Vitalfunktionen und dem Anpassen der Körpertemperatur an die Umgebungstemperatur bis unter 3°C reichen die Energiereserven für mehrere Monate Winterschlaf. Häufiges Erwachen aus dem Winterschlaf kann jedoch zu einem zu hohen Energieverbrauch führen und das Überleben bis zum Frühjahr gefährden.

Aufwachen im Frühling

Im April werden Fledermäuse wieder aktiv, abhängig von der Witterung teils auch früher. Die Familienplanung beginnt jedoch bereits im Vorjahr: Nach der Paarung im September bis Oktober speichern die Weibchen die Spermien über den Winter hinweg in der Gebärmutter, die eigentliche Trächtigkeit setzt erst im Frühjahr ein. Nach der Geburt der Jungtiere im Juni schliessen sich die Weibchen zu sogenannten Wochenstubenkolonien zusammen. Nach drei bis zehn Wochen erreichen die Jungtiere die Flugfähigkeit und werden selbstständig.

Gefährdung und Unterstützung

Rund die Hälft der einheimischen Fledermausarten steht auf der Roten Liste. Was können wir also tun, um Fledermäuse zu schützen und zu fördern? Grundsätzlich gilt: Ruhende Tiere sollten niemals gestört werden. Darüber hinaus ist es wichtig, die Lebensräume sowohl der Fledermäuse als auch ihrer Insektenbeute zu fördern. Die Pflanzung von Sträuchern und Bäumen verbessert die Nahrungsgrundlage, während Nisthilfen den Tieren auch in versiegelten oder bebauten Gebieten ein geeignetes Quartier bieten. Beim plan.b können Sie genau diese und weitere Massnahmen beziehen und und so aktiv dazu beitragen, unsere heimischen Fledermausarten zu fördern.

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