Die Gemeinderatswahlen im Kanton Zürich sind grösstenteils abgeschlossen. Ein klares Fazit zu ziehen, ist allerdings schwierig. In vielen ländlichen und kleineren Gemeinden werden zunehmend parteilose Kandidatinnen und Kandidaten gewählt. Nicht selten erzielen sie sogar bessere Resultate als Personen mit klarer Parteizugehörigkeit.
Diese Entwicklung stimmt mich nachdenklich. Unser politisches System lebt von Parteien – von Menschen also, die sich mit Gleichgesinnten organisieren, Ideen entwickeln und Verantwortung übernehmen. Gerade die Gemeindepolitik war lange ein wichtiges Sprungbrett für weitere politische Aufgaben, etwa im Kantonsrat oder in anderen Ämtern. Eine gewisse Verankerung in einer Partei ist dabei meist kein Hindernis, sondern vielmehr eine wertvolle Grundlage.
Natürlich ist mir bewusst, dass es für kleinere Gemeinden immer schwieriger wird, aktive Ortsparteien aufrechtzuerhalten. Die Milizarbeit steht unter Druck, und vielerorts fehlen engagierte Personen, die Verantwortung übernehmen wollen. Umso mehr sind die bestehenden Parteien gefordert, neue Lösungen zu finden – sei es durch neue Formen der Zusammenarbeit, durch stärkere regionale Vernetzung oder durch zeitgemässe Wege, Menschen für politische Mitarbeit zu gewinnen.
Denn Parteien erfüllen eine wichtige Integrationsfunktion. Sie bringen Menschen zusammen, die ähnlich denken, diskutieren, manchmal auch streiten – und am Ende gemeinsam Lösungen suchen. Genau daraus entsteht politische Kultur.
Niemand wird eine Partei finden, die zu hundert Prozent den eigenen Überzeugungen entspricht. Aber genau darauf ist unsere Demokratie auch nicht ausgelegt. Sie lebt davon, dass unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen, gehört werden und konstruktiv in politische Prozesse einfliessen. Gerade deshalb bleiben Parteien ein zentraler Pfeiler unserer Demokratie – auch, und vielleicht gerade, auf Gemeindeebene.