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Kommentar der Woche

Wo-Wo-Wohnige, Wo-Wo-Fruchtfolgeflächen in Zürich

Wollen Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt Zürich überhaupt in der teuren Stadt wohnen? Fliegen sie doch mehrmals pro Jahr viele tausend Kilometer weit weg ins Ausland.
Markus Götsch, Zürich-Seebach

Beim diesjährigen Striegeleinsatz im Winterweizen habe ich gezwungenermassen Baukräne in nächster Nähe im Blickfeld. Hier baut eine Pensionskasse 220 Wohnungen in Zürich-Seebach, und dies ist erst der Anfang. Dieses Gebiet wurde in den 1990er-Jahren eingezont. Seit dieser Einzonung hat dieser ehemals fruchtbare Ackerboden massiv an Wert dazugewonnen.

Es werden hier über 100 Millionen Schweizerfranken für eine Hektare Land geboten, wohlgemerkt nur fürs Bauland. Für mich als einfachen Landwirt unvorstellbare Dimensionen. Dies alles in den Diensten der heiligen Bekämpfung der Wohnungsnot in der Stadt und der dazugehörigen Agglomeration. Landwirtschaftsland ist in seinem Wert bis heute durchs Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht klar begrenzt mit einer Höchstpreisgrenze, was Landspekulationen Einhalt gebietet. Wie die Zerstörung unser aller Lebensgrundlage einen Wertzuwachs mit Faktor 1000 rechtfertigt, lässt sich keinem Kind erklären.

Von Politikern von ganz links bis rechts wird eine Verdichtung in der Stadt gefordert, nur in der Umsetzung haperts aufgrund von Einsprachen, Überregulierung und genau dieser Angst vor einem Wertzuwachs für bestehende Eigentümer. Dass dann einfach Ackerland für den heiligen Gral des Wohnungsbaus hinhalten muss, ist nur beschämend für eine ach so reiche Stadt. Gäbe es doch bestehende Gebiete, um in die Höhe zu bauen, Büroräume umzunutzen oder gar Gleisfelder oder Ähnliches zu überdachen.

Zürich ist der Place to be, the Place to live. Mittels Standortförderung werden Arbeitgeber wie Google, Palantir und Co. angelockt. Auch dank oder gerade wegen dieser Firmen liegt der Medianlohn in der Stadt Zürich mittlerweile bei gegen CHF 9000 für eine Vollzeitstelle. Ist es aber ein Menschenrecht, in Zürich zu wohnen?

Gerade heute habe ich mir die Frage gestellt, ob es den Stadtbewohnern denn hier überhaupt so gut gefällt. Fliegt doch der Durchschnittszürcher 2,5-mal im Jahr eine Flugstrecke von total über 10’000 km, nur um nicht in der Stadt sein zu müssen. Dass dabei die Piste am Flughafen wieder zulasten von Ackerland verlängert werden muss, ist doch gar keine Frage.

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